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4. Januar 2012

Popcorn #6 - In Time

Während hier zu Lande der Kaffee bereits die 4-Franken-Marke überschritten hat, besteht auch in SiFi-Welt von Hollywood ein ähnliches Problem: "4 Minuten für einen Kaffee? Gestern waren es doch noch 3?!". Doch halt... was hat hier die Zeiteinheit Minuten im Kontext mit einer Währung zu suchen? Ziemlich viel - sofern es sich um den neuen Triller "In Time" von Andrew Niccol (Gattaca, The Truman-Show, Terminal, Lord of War) handelt.

Im neusten Film des neuseeländischen Drehbuchautor und Regisseur spielt, entsprechend dem Filmtitel, die Zeit eine wichtige Rolle. In einer nicht näher genannten Zukunft ersetzt die Zeit die alten Währungen und baut somit ein ganz neues Wirtschaftssystem auf. Doch wie soll das genau funktionieren? Die Idee ist so einfach wie auch genial: Mit hilfe von Genmanipulation stoppt die Entwicklung und auch der Zerfall des menschlichen Körpers mit Erreichen des 25. Geburtstags. Das heisst konkret, so wie man mit diesem Alter aussieht, bleibt man für den Rest des Lebens. Wie lange dieser Rest ist, bestimmt die zweite und entscheidendere Änderung: eine am Unterarm implantierte Uhr, welche die verbleibende Lebenszeit anzeigt. Diese Uhr zeigt ab der Geburt ein Guthaben von genau einem Jahr an und beginnt ab dem entscheidenden Geburtstag rückwärts zu laufen - so zu sagen ein Countdown bis zum Tot. Ist auf der Uhr nämlich die letzte Sekunde verstrichen, stirbt diejenige Person sofort. Damit man also nicht spätestens zum 26. Geburtstag tot umfällt, ist es wichtig an zusätzliche Zeit zu kommen. Und hier sind wir wieder beim Wirtschaftssystem, den anstatt für Geld arbeitet man nun für Zeit. Jeden Tag nach der Arbeit können die Personen ihren anderen Unterarm in eine Art Scanner halten, welche die verdiente Zeit auf die Uhr überträgt und zur Restzeit dazu addiert. Zum zahlen von Gütern oder Dienstleistungen wird dieser Vorgang umgekehrt. Man trägt also sein Bankkonto jederzeit bei sich und braucht weder Bargeld/-zeit noch eine Plastikkarte. Zeit kann aber auch direkt an andere Menschen übertragen werden, indem man sich an den Armen berührt und die gewünschte Menge direkt auf die Uhr des Gegenübers überträgt oder nimmt. Dieser Vorgang erinnert eher wieder an den einfachen Transfer von Bargeld und ist auch gleich Diebstahl anfällig. Wer also nicht immer all seine Zeit bei sich tragen möchte, hat die Möglichkeit diese in sogenannten Zeitkapseln zwischen zu speichern. Diese an externe Festplatten erinnernde Kapseln können mit einer beliebigen Anzahl Zeit aufgeladen werden und danach z.B. sicher in einem Safe oder einer Bank verstaut werden. Da Krankheiten nicht mehr existieren, ist die einzig andere Art aus dem Leben zu scheiden (nebst einer abgelaufenen Lebensuhr) ein Unfall. Stirbt man durch diesen, ist die Restzeit auf der Uhr jedoch für immer verloren und kann von niemandem mehr abgesogen werden.

Lebensuhr mit einer Restzeit von 1 Jahr, 12 Minuten und 50 Sekunden

Ideale Voraussetzung für eine perfekte Welt in der jeder das ewige Leben erreichen kann? Sollte man meinen, doch leider trügt hier der Schein dieser Glitzerwelt erheblich. Den obwohl jeder Mensch, ganz gleich welches Geschlechts, Rasse, Religion, usw. die gleichen ob genannten Grundvoraussetzungen hat, gibt verschiedene Gesellschaftsschichten welche sich teilweise massiv unterscheiden. Anders als in der heutigen Zeit sind diese Schichten jedoch klar voneinander getrennt. Die Welt wurde neu aufgeteilt und in Zeitzonen aufgeteilt, in denen die jeweiligen Schichten leben. Theoretisch ist es jeden erlaubt, andere Zonen zu betreten und dort zu leben, was in der Praxis aber praktisch unmöglich ist. Zwischen den einzelnen Zonen gibt es Grenzen welche nur gegen meist massive Gebühren übertreten werden können. Zudem sind die Lebenshaltungskosten den jeweiligen Ghettos angepasst, weshalb sich niemand den Aufenthalt in einer höheren Zeitzone leiste kann.

In einer dieser niedrigen Zeitzonen lebt der Fabrikarbeiter Will Salas (Justin Timberlake), der buchstäblich von Tag zu Tag lebt, da er meistens knapp 24 Stunden auf seiner Uhr übrig hat. Er lebt zusammen mit seiner Mutter Rachel (Olivia Wilde) in Dayton. Da wie bereits erwähnt niemand älter als 25 Jahre aussieht, hält man Rachel zuerst für seine Freundin, was eine herrliche Verwirrung hervor ruft.
Zusammen mit seinem Kumpel Borel (Johnny Galecki) stellt er in der Fabrik die oben erwähnten Zeitkapseln her und erhält hierfür die täglich seinen Lohn überwiesen, damit er auch am nächsten Tag noch arbeiten kommen kann.
In einer Bar trifft Will auf einen "Zeitmillionär", welcher weit über 100 Jahre auf seiner Uhr besitzt, obwohl er auch schon ca. so lange auf der Welt lebt. Grosszügig verteilt er sein Geld in der Bar, was die Aufmerksamkeit der Minute-Man, eine Vereinigung welche nicht genau zugeordnet werden kann, auf sich zieht. Will rettet den Mann Namens Henry Hamilton und erhält als Dank 116 Jahre geschenkt, wodurch sich Henry selber umbringt. Überfordert mit der Masse dieser Jahre, schenkt er seinem Fabrikkollegen erstmals 10 Jahre, welche dieser sofort in der Bar ausgibt und sich dort zu Tode säuft.
Nachdem seine Mutter wegen einer Verdoppelung der Busfahrpreise zu Fuss nachhause muss und Sekunden zu spät auf Will trifft um ihre Uhr aufzuladen, stirbt diese in seinen Armen was ihn komplett aus der Bahn wirft. Er beschliesst in die Zeitzone "New Greenwich" zu gehen, da gemäss Henry Hamilton dort die Reichen wohnen, welche für all die schlechten Lebensumstände verantwortlich sind. Seine Reise durch die Zeitzonen sowie einen beachtlichen Gewinn von 1'100 Jahren beim Pokern gegen den Banker Philippe Weis (Vincent Kartheiser) zieht die Aufmerksamkeit zweier Personen auf ihn: diejenige der Bankertochter Sylvia Weis (Amanda Seyfried) und des Timekeepers Raymond Leon (Cillian Murphy). Zwischen dem Ghetto-Flüchtling und der reichen Tochter entwickelt sich eine Liebesbeziehung, welche nach einer Entführung darin gipfelt, dass sie gemeinsam in die Banken des Weis-Imperiums einbrechen und die gestohlene Zeit den Armen und Bedürftigen verteilen. Dies wiederum versucht der Timekeeper zusammen mit seinen Männern zu verhindern, da sonst das System droht zusammen zu brechen. Besonders da die Zeitkapsel von Philippe Weis, welche mit 1 Million Jahre gefüllt ist, zum Hauptziel der modernen Bonnie und Clyde wird.

Leider vermag der Film genau diesen Plot nicht richtig ins Szene zu setzten. Trotz der tollen Ausgangslage und Idee verkommt der Film vor allem ab der zweiten Hälfte zu einem ideenarmen und schlecht erzählten Action-Film. Zu vieles ist vorhersehbar oder zu unspektakulär, die Geschichte hat keine Höhepunkte oder bietet neues. Die alten Mechanismen und Ideen werden sehr offensichtlich wiederverwendet (Wettlauf zu einem Scanner, da nur noch wenige Sekunden auf der Uhr sind) und das Ende ist enttäuschend und deutet sogar auf einen zweiten Teil hin.
Dem gegenüber steht die knapp erste Stunde des Films, welche den Zuschauer sehr gut in die Welt der Zukunft einführt und die angepassten Wirtschaftssysteme erklärt. Auch werden die Charakter meist gut und verständlich vorgestellt, welche sich jedoch leider selten weiterentwickeln und grösstenteils langweilig und stereotypisch bleiben, was meiner Meinung nach teilweise auch an den Schauspielern liegt.
Der ehemalige *NSYNC-Teenie-Schwarm Justin Timerlake ist für mich persönlich eine gute wen auch nicht perfekte Besetzung des Will Salas. Der Sänger hat sich mit der Schauspielerei ein gutes, zweites Standbein erschaffen in welchem er regelmässig mehr oder weniger erfolgreich seine Brötchen verdient. Nach dem (für mich überraschend guten) Auftritt im Film "Alpha Dog" im Jahre 2006 sowie der Synchronsprecherrolle im dritten Shrek-Film als Artie, rechnete ich nicht wirklich mit einer Rückkehr des Sängers. Doch nun ist "In Time" bereits der 4 grössere Film innerhalb 2 Jahren (neben dem Facebook-Film "The Social Network" und den beiden Komödien "Bad Teacher" und "Friends with Benefits") und ich vermute, dass dies erst der Anfang einer guten Karriere ist. Und ehrlich gesagt sehe ich ihn lieber in Filmen als Sänger...
An der Seite des ehemaligen Mickey-Mouse-Club-Kindermoderators spielt Amanda Seyfried die weibliche Hauptrolle der Sylvia Weis. Die sympathische Blondinne mit den Kulleraugen, welche ebenfalls im Film "Alpha Dog" ihren Durchbruch in Hollywood schaffte, baut in den ersten Minuten, welche sie im Film auftritt, eine geheimnisvolle und interessante Sphäre um Ihre Person auf. Man nimmt Ihr die Rolle als kühl-distanzierte und doch leicht rebellische Millionärstochter gerne ab. Leider entwickelt sich ihr Charakter im Film danach gar nicht mehr weiter. Zu keiner Zeit glaubt man später, dass sie die Überfälle auf die Banken wirklich will und auch nicht dass ihr Leben in Gefahr ist. Hier wurde sowohl von Amanda wie auch vom Drehbuch sehr viel Potenzial verschenkt.

Amanda Seyfried
In den Rollen der beiden "Haupt-Bösewichte" sehen wir den wenig bekannten Vincent Kartheiser als Philippe Weis und Cillian Murphy als Timekeeper Raymond Leon. Letzterer ist uns vor allem als Zombie-Verfolgter in "28 Days Later" und Batman-Gegner Scarecrow in "Batman Begins" in Erinnerung geblieben. An die Qualität des im Fledermaus-Film gespielten Psychiaters reicht die Rolle des Timekeepers jedoch nicht heran. Wie bereits im Film "Inception" sehe ich Murphy nicht als typischen Vertreter des Bösen und hätte mir hier einen Charakterdarsteller mit mehr Format gewünscht, welchen es aber wohl im benötigten Alter nicht gibt. Auch Kartheiser ist keine Idealbesetzung, doch für die Nebenrolle des Bankers reicht es. 
Apropos Nebenrollen: Sowohl Olivia Wilde als Mutter Salas und Johnny Galecki als Borel fand ich sehr gelungen. Wohl auch da ihre Auftritte leider sehr kurz sind, sind ihre Rollen spannend und gut gespielt. Die irisch-amerikanische Schauspielerin Wilde, welche unter anderem in der Serie "Dr. House" mitspielt, überzeugt in der Rolle der jungebliebenen Mutter. Wohl auch da sie in Wirklichkeit sogar 3 Jahre jünger ist als ihr Filmsohn Justin Timberlake. Der hingegen sogar 6 Jahre ältere, in Belgien geborene Johnny Galecki sieht im Film auch einiges älter aus, trotzdem fand ich seinen Auftritt sehr erfrischen. Dies vor allem, da er zurzeit als Physiker Leonard Hofstadtler in meiner Lieblingsserie "The Big Bang Theory" die Hauptrolle übernimmt und ich ihn als Schauspieler sehr schätze.
Die oben angesprochenen Alter der Schauspieler sind ein weiterer Kritikpunkt am Film. Bereits zu Anfang wird uns klar mitgeteilt, dass in dieser Zukunft niemand älter als 25 Jahre aussieht. Trotzdem sieht man einigen Schauspielern und Statisten deutlich die zusätzlichen Jahre dies sie in Wirklichkeit haben an. Das zerstört aus meiner Sicht stark das Bild und die Atmosphäre der Geschichte. Auch sonst ist die Welt stellenweise nicht 100% glaubhaft und schlüssig, und erweckt manchmal nicht den Eindruck einer realistischen Zukunft welche uns drohen könnte. Zu nah sind gewisse Technologien den heutigen, zu ähnlich ist die Welt von morgen der heutigen, obwohl es wohl viele Jahrzehnte benötigt hat so eine Umwelt und Gesellschaft aufzubauen. Obwohl es sich um Science-Fiction handelt, beschränkt sich der technische Fortschritt augenscheinlich nur auf die Lebensuhr und die direkt damit verbundenen Technologien.

Fazit: "In Time" ist ein klassisches Beispiel wie ein guter Trailer Hoffnungen und Erwartungen schürt, welche später der Film nicht erfüllen kann. Die, unbestritten tolle und interessante, Idee der Lebensuhr ersetzt leider nicht ein komplette und fesselnde Geschichte. Andrew Niccol vergibt in diesem Film viel Potenzial in der Geschichte und mit seiner Schauspieler-Auswahl. Trotzdem sollten Interessierte einen Blick auf diesen Film werfen. Hoffen wir die Lebensuhr wird zukünftig in anderen Filmen ebenfalls aufgegriffen, wenn auch nur als Nebenelement.
Auf einer Skala von 1 bis 10 erhält der Film von mir 5 Punkte

4. Februar 2011

Popcorn #4 - Double feature mit R.E.D und Hereafter

In letzter Zeit ist leider hier auf dem Blog nicht mehr regelmässig ein Beitrag erschienen, da mir schlicht die Zeit gefehlt hat, gute Berichte zu schreiben. Vor allem Filmkritiken nehmen sehr viel zweit in Anspruch, da ich mir auch sehr grosse Ziele damit gesetzt habe. Als Entschädigung hierfür gibt es jedoch heute einen Bericht mit gleich zwei Filmkritiken. Diese sind freilich nicht so ausführlich wie gewohnt, was aber auch aufgrund der Qualität der Filme zurückzuführen ist.

R.E.D.

Es ist nun bereits fast eine Woche her, seit ich diesen Film in Basel gesehen habe. Nachdem wir am Mittag „Black Swan“ gesehen hatten (Kritik vom 31.01.2010) und danach in Colmar waren, kamen wir auf die Idee noch ein zweites Mal im Pathé Kino in Basel einen Film zu schauen. Aufgrund der späten Ankunft in Basel blieb aus eine der wenigen Alternativen der Film „R.E.D.“ übrig.

Was hat man für Erwartungen und Vorstellungen an einem Film mit Bruce Willis? Action, Stunts, coole Sprüche und dünne Story?! Ich für meinen Teil habe mich mit genau diesen Vorstellungen in den Kinosessel gesetzt. Und was ich in den nächsten 111 Minuten geboten bekam enttäuschte mindestens diese Erwartungen nicht.

Der Plot der Story ist schnell erzählt. Der ehemalige CIA-Topagent Frank Moses (Bruce Willis) lebt ruhig und zurückgezogen in einem Vororthaus. Und er langweilt sich. Regelmässig erhält er Schecks von der Pensionskasse, die er auf der Stelle zerreisst damit er mit der zuständigen Sachbearbeiterin Sarah (Mary-Louise Parker) telefonieren kann. Eines Tages kündigt er einen Besuch in ihrer Stadt an, worauf sich die beiden treffen wollen. In der nachfolgenden Nacht wird Frank zuhause von einem Killerkommando aufgesucht, worauf das ganze Haus zerstört wird. Der immer noch fitte Rentner, deshalb auch der Titel R.E.D. = Retired Extremely Dangerous (Pensioniert, extrem gefährlich), entkommt jedoch und flüchtet. Kurz darauf bricht er in die Wohnung von Sarah ein und nimmt sie als Geisel.

Im Verlaufe des Filmes erfährt man, dass Franke Moses früher bei den Black Ops war, und zu den besten Agenten der Welt gezählt hatte. Nach und nach stossen weitere (ehemalige) Agenten zu ihnen, wie zum Beispiel der komplett verrückte Marvin (John Malkovich) und die Killerin Victoria (Helen Mirrer). Auch mit dem ehemaligen Feind aus der U.D.S.S.R. resp. Russland wird nun zusammengearbeitet, hier in Form vom Botschafter Ivan Simanov (Brian Cox). Nach und nach erfährt die Gruppe, was eigentlich los ist. Es geht um gewisse Ereignisse in Guatemala in den 80er Jahren und wie diese einem einflussreichen Politiker ein Dorn im Auge sind.

Die Geschichte ist wie bereits erwähnt sehr dünn, ohne grosse Überraschungen oder Wendungen. Zwischen den vielen Sequenzen, in denen hemmungslos wie immer geschossen und gekämpft wird, zieht sich eine vorhersehbare Story als roter Faden durch. Wichtiger jedoch sind die vielen unmöglichen Stunts und Kommentare der Darsteller sowie Explosionen und Feuergefechten (meist mit Munition des grösseren Kalibers), die den Film zu einem waschechten Männer-Action-Film machen. Dass das Guten am Ende siegt und Frank das Mädchen erhält, ist mehr als logisch.

Zum Glück wurden für diesen Film echte Stars aus Hollywood engagiert. Bruce Willis schiesst sich in gewohnter „Die Hard“-Manier durch den Film und überzeugt als alternder Action-Star. Helen Mirrer (The Queen) als eiskalte Killerin erhält für meinen Geschmack einen zu kurzen Auftritt, da ihrer Rolle einiges an Potenzial geboten hätte. Am besten gefiel mir jedoch John Malkovich (keine Ahnung welcher Film hier am besten als Referenz angegeben werden kann, da er eine grosse Auswahl hat) als verrückter Einsiedler Marvin. Die Rolle ist ihm wie auf den Leib geschrieben und für Lacher ist gesorgt. Einzig Mary-Louise Parker als Sarah vermag nicht zu überzeugen. Auch da ihrer Rolle mehr als langweilig und unglaubwürdig geschrieben ist, kommt es hier zu keine Glanzleistung.

R.E.D. ist ein klassischer Actionfilm für alle ohne grosse Ansprüche. Wer die „Die Hard“-Reihe mochte, wird sich auch in diesem Film wohl fühlen. Ob man sich aber in 2-3 Jahren überhaupt noch an diesem Film erinnern mag, wage ich zu bezweifeln. Ideal als Popcorn-Kino für Männer, mehr ist hier jedoch nicht.

Auf einer Skala von 1 bis 10 erhält der Film von mir 5 Sterne.

„R.E.D.“ gesehen im Pathé Küchlin Basel (Saal 4) am 29.01.2011 auf Englisch

Hereafter

Clint Eastwood führt Regie. Wenn das kein Argument für einen guten Film ist. Nach grandiosen Filmen wie  „Gran Torino“, „Invictus“, „Mystic River“ „Million Dollar Baby“ und dem Doppelfilm „Flags of our Fahthers/ Letters from Iwo Jima“ (um nur die aktuellsten der letzten 10 Jahre zu nennen) setzte ich sehr, sehr hohe Erwartungen an diesen Film. Zudem würde das Drehbuch von Peter Morgan geschrieben, welcher bereits für z.B. „The Last King of Scotland“ und „The Queen“ verantwortlich war.

Gemäss dem Trailer dreht sich die Geschichte um einen Menschen, ein sogenanntes Medium, welches mit den Toten kommunizieren kann. Des Weiteren sah man in der Vorschau zwei Ereignisse der näheren Geschichte, nämlich die Bombenanschläge auf die Metro von London sowie den Tsunami in Thailand.

Mit letzterem beginnt der Film dann auch. Eine französische Journalistin Marie Lelay macht Ferien auf Thailand und wird beim shoppen vom Tsunami überrascht und wird dabei fast getötet. Dieses Nahtod-Erlebnis wirft die junge Frau, gespielt von der Belgierin Cécile de France (In 80 Tagen um die Welt), komplett aus der Bahn. Sie nimmt sich von ihrem Moderationsjob beim Sender France 2 eine Auszeit und schreibt ein Buch darüber. Recherchen für dieses Buch führen sie unter anderem auch in ein Hospiz in die Schweiz. Später wird sie dieses Buch in London an einer Buchmesse vorstellen.

Zeitgleich verliert der 12-jährige Marcus aus London seinen Zwillingsbruder durch einen Unfall. Weil die alleinerziehende Mutter zudem Drogen- und Alkoholsüchtig ist, wird Marcus durch das Sozialamt an eine Pflegefamilie weitergegeben. Der Junge, der stehst als der ruhigere der Zwillinge galt, verschliesst sich noch mehr von seiner Umwelt und vor allem seinen Pflegeeltern. Da er nicht von seinem Bruder loskommt, versucht er mit ihm Kontakt aufzunehmen. Zu diesem Zweck stiehlt er von seinen Pflegeeltern 200£ und sucht erfolglos mehrere „Experten“ auf, welche sich jedoch alle als Lügner und Betrüger herausstellen. In diesen Szenen fühlt man sich sehr stark an Leute wie Mike Shiva und Konsorte erinnert. Später besuchen Pflegeeltern zusammen mit Marcus das ehemalige Pflegekind der Familie, welches nun als Wachmann bei der ob genannten Buchmesse arbeitet.

Als dritter Handlungsstrang des Films sieht man schliesslich auch noch in das Leben von George Lonegan (Matt Damon). Lonegan wurde aufgrund einer Krankheit und der daraus resultierenden Operation in der Kindheit zum Medium, der im Gegensatz zu den anderen wirklich mit den Toten sprechen kann. Hierfür reicht meistens schon eine kurze Berührung mit der noch lebenden Person, um Kontakt aufzunehmen. Früher hat er diese Gabe sogar vermarktet, bis er seelisch so kaputt war, dass er dies auch aufgeben musste. Was sein Bruder Billy als Gabe und Verpflichtung sieht, ist für George ein Fluch. Deshalb arbeitet er jetzt in einem Lager am Hafen von San Franzisco als Gabelstaplerfahrer. Dort wird er jedoch aufgrund Umstrukturierungen entlassen. Als sein Bruder ihn wieder in den Beruf als Medium drücken will, flüchtet George nach London. Dort wandelt er auf den Spuren seines Idols Charles Dickens, und besucht dort auch die Buchmesse.

An diesem Ort werden die drei unabhängigen Handlungsstreifen von George, Marcus und Marie zusammengeführt. Dies geschieht jedoch für mich auf sehr umständliche und unnatürliche weise. Zudem findet dieses Ereignis im ca. letzten Viertel des Filmes statt. Hier wurde sehr viel Potenzial für interessante Wendungen vergeben. Auch sonst ist der Film alles andere als interessant. Abgesehen von einigen Szenen, plätschert die Story über die gut 2 Stunden dahin, ohne das gross etwas passiert oder man überrascht wird. Die Szene mit dem Tsunami ist sehr ein- und bedrücklich inszeniert, die Landschaftsaufnahmen vor allem von Paris sind wunderschön, Dialoge werden mit Nahaufnahmen unterstrichen und den italienischen Kochkurs an der Abendschule, welche George besucht, sind eine lustige Abwechslung. Zudem sind die visuellen Effekte, welche die Kontaktaufnahme mit den Toten zeigen, sehr schön gemacht (deshalb wohl auch die Oscar-Nominierung bei den „Visual Effects“). Doch dies alles kann die Story nicht retten.

Auch die schauspielerische Leistung der ganzen Crew ist nicht erwähnenswert, weder positiv aber auch nicht negativ. Matt Damon hat schon mehrfach bewiesen, dass er solche Rollen spielen kann. Trotzdem war es Durchschnitt und ersetzbar. Höchstens die Zwillinge McLaren könnten mit ihrem Auftritt etwas für ihre Zukunft gemacht haben. Cécile de France spielte zwar ihre Rolle sehr gut, jedoch war sie für mich von Anfang an eher unsympathisch, was sich im Laufe des Filmes nicht änderte.

Das Gefühl, dass mich beim relativ abrupten Ende beschlich, war nicht sehr angenehm. Nach ca. 129 Minuten war für mich die Geschichte noch nicht erzählt, bot aber auch keine Möglichkeit für eine Fortsetzung. Weder war hier ein richtiges Happy-End noch hat sich viel geändert, trotzdem war die Geschichte irgendwie abgeschlossen. Die Grundidee des Filmes liess sehr viel Spielraum, davon wurde jedoch praktisch nicht Gebrauch gemacht. Sehr schade, finde ich. Hereafter muss man also nicht gesehen haben. Da zurzeit sowieso sehr viele gute Filme in den Kinos laufen, bleibt dies wohl der Notlösungsfilm für diejenigen die alles schon gesehen haben oder wenn einfach nichts anderes läuft.

Auf einer Skala von 1 bis 10 erhält der Film von mir 4 Sterne.

„Hereafter“ gesehen im Pathé Westside (Saal 4) am 03.02.2011 auf Deutsch