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4. Januar 2012

Popcorn #6 - In Time

Während hier zu Lande der Kaffee bereits die 4-Franken-Marke überschritten hat, besteht auch in SiFi-Welt von Hollywood ein ähnliches Problem: "4 Minuten für einen Kaffee? Gestern waren es doch noch 3?!". Doch halt... was hat hier die Zeiteinheit Minuten im Kontext mit einer Währung zu suchen? Ziemlich viel - sofern es sich um den neuen Triller "In Time" von Andrew Niccol (Gattaca, The Truman-Show, Terminal, Lord of War) handelt.

Im neusten Film des neuseeländischen Drehbuchautor und Regisseur spielt, entsprechend dem Filmtitel, die Zeit eine wichtige Rolle. In einer nicht näher genannten Zukunft ersetzt die Zeit die alten Währungen und baut somit ein ganz neues Wirtschaftssystem auf. Doch wie soll das genau funktionieren? Die Idee ist so einfach wie auch genial: Mit hilfe von Genmanipulation stoppt die Entwicklung und auch der Zerfall des menschlichen Körpers mit Erreichen des 25. Geburtstags. Das heisst konkret, so wie man mit diesem Alter aussieht, bleibt man für den Rest des Lebens. Wie lange dieser Rest ist, bestimmt die zweite und entscheidendere Änderung: eine am Unterarm implantierte Uhr, welche die verbleibende Lebenszeit anzeigt. Diese Uhr zeigt ab der Geburt ein Guthaben von genau einem Jahr an und beginnt ab dem entscheidenden Geburtstag rückwärts zu laufen - so zu sagen ein Countdown bis zum Tot. Ist auf der Uhr nämlich die letzte Sekunde verstrichen, stirbt diejenige Person sofort. Damit man also nicht spätestens zum 26. Geburtstag tot umfällt, ist es wichtig an zusätzliche Zeit zu kommen. Und hier sind wir wieder beim Wirtschaftssystem, den anstatt für Geld arbeitet man nun für Zeit. Jeden Tag nach der Arbeit können die Personen ihren anderen Unterarm in eine Art Scanner halten, welche die verdiente Zeit auf die Uhr überträgt und zur Restzeit dazu addiert. Zum zahlen von Gütern oder Dienstleistungen wird dieser Vorgang umgekehrt. Man trägt also sein Bankkonto jederzeit bei sich und braucht weder Bargeld/-zeit noch eine Plastikkarte. Zeit kann aber auch direkt an andere Menschen übertragen werden, indem man sich an den Armen berührt und die gewünschte Menge direkt auf die Uhr des Gegenübers überträgt oder nimmt. Dieser Vorgang erinnert eher wieder an den einfachen Transfer von Bargeld und ist auch gleich Diebstahl anfällig. Wer also nicht immer all seine Zeit bei sich tragen möchte, hat die Möglichkeit diese in sogenannten Zeitkapseln zwischen zu speichern. Diese an externe Festplatten erinnernde Kapseln können mit einer beliebigen Anzahl Zeit aufgeladen werden und danach z.B. sicher in einem Safe oder einer Bank verstaut werden. Da Krankheiten nicht mehr existieren, ist die einzig andere Art aus dem Leben zu scheiden (nebst einer abgelaufenen Lebensuhr) ein Unfall. Stirbt man durch diesen, ist die Restzeit auf der Uhr jedoch für immer verloren und kann von niemandem mehr abgesogen werden.

Lebensuhr mit einer Restzeit von 1 Jahr, 12 Minuten und 50 Sekunden

Ideale Voraussetzung für eine perfekte Welt in der jeder das ewige Leben erreichen kann? Sollte man meinen, doch leider trügt hier der Schein dieser Glitzerwelt erheblich. Den obwohl jeder Mensch, ganz gleich welches Geschlechts, Rasse, Religion, usw. die gleichen ob genannten Grundvoraussetzungen hat, gibt verschiedene Gesellschaftsschichten welche sich teilweise massiv unterscheiden. Anders als in der heutigen Zeit sind diese Schichten jedoch klar voneinander getrennt. Die Welt wurde neu aufgeteilt und in Zeitzonen aufgeteilt, in denen die jeweiligen Schichten leben. Theoretisch ist es jeden erlaubt, andere Zonen zu betreten und dort zu leben, was in der Praxis aber praktisch unmöglich ist. Zwischen den einzelnen Zonen gibt es Grenzen welche nur gegen meist massive Gebühren übertreten werden können. Zudem sind die Lebenshaltungskosten den jeweiligen Ghettos angepasst, weshalb sich niemand den Aufenthalt in einer höheren Zeitzone leiste kann.

In einer dieser niedrigen Zeitzonen lebt der Fabrikarbeiter Will Salas (Justin Timberlake), der buchstäblich von Tag zu Tag lebt, da er meistens knapp 24 Stunden auf seiner Uhr übrig hat. Er lebt zusammen mit seiner Mutter Rachel (Olivia Wilde) in Dayton. Da wie bereits erwähnt niemand älter als 25 Jahre aussieht, hält man Rachel zuerst für seine Freundin, was eine herrliche Verwirrung hervor ruft.
Zusammen mit seinem Kumpel Borel (Johnny Galecki) stellt er in der Fabrik die oben erwähnten Zeitkapseln her und erhält hierfür die täglich seinen Lohn überwiesen, damit er auch am nächsten Tag noch arbeiten kommen kann.
In einer Bar trifft Will auf einen "Zeitmillionär", welcher weit über 100 Jahre auf seiner Uhr besitzt, obwohl er auch schon ca. so lange auf der Welt lebt. Grosszügig verteilt er sein Geld in der Bar, was die Aufmerksamkeit der Minute-Man, eine Vereinigung welche nicht genau zugeordnet werden kann, auf sich zieht. Will rettet den Mann Namens Henry Hamilton und erhält als Dank 116 Jahre geschenkt, wodurch sich Henry selber umbringt. Überfordert mit der Masse dieser Jahre, schenkt er seinem Fabrikkollegen erstmals 10 Jahre, welche dieser sofort in der Bar ausgibt und sich dort zu Tode säuft.
Nachdem seine Mutter wegen einer Verdoppelung der Busfahrpreise zu Fuss nachhause muss und Sekunden zu spät auf Will trifft um ihre Uhr aufzuladen, stirbt diese in seinen Armen was ihn komplett aus der Bahn wirft. Er beschliesst in die Zeitzone "New Greenwich" zu gehen, da gemäss Henry Hamilton dort die Reichen wohnen, welche für all die schlechten Lebensumstände verantwortlich sind. Seine Reise durch die Zeitzonen sowie einen beachtlichen Gewinn von 1'100 Jahren beim Pokern gegen den Banker Philippe Weis (Vincent Kartheiser) zieht die Aufmerksamkeit zweier Personen auf ihn: diejenige der Bankertochter Sylvia Weis (Amanda Seyfried) und des Timekeepers Raymond Leon (Cillian Murphy). Zwischen dem Ghetto-Flüchtling und der reichen Tochter entwickelt sich eine Liebesbeziehung, welche nach einer Entführung darin gipfelt, dass sie gemeinsam in die Banken des Weis-Imperiums einbrechen und die gestohlene Zeit den Armen und Bedürftigen verteilen. Dies wiederum versucht der Timekeeper zusammen mit seinen Männern zu verhindern, da sonst das System droht zusammen zu brechen. Besonders da die Zeitkapsel von Philippe Weis, welche mit 1 Million Jahre gefüllt ist, zum Hauptziel der modernen Bonnie und Clyde wird.

Leider vermag der Film genau diesen Plot nicht richtig ins Szene zu setzten. Trotz der tollen Ausgangslage und Idee verkommt der Film vor allem ab der zweiten Hälfte zu einem ideenarmen und schlecht erzählten Action-Film. Zu vieles ist vorhersehbar oder zu unspektakulär, die Geschichte hat keine Höhepunkte oder bietet neues. Die alten Mechanismen und Ideen werden sehr offensichtlich wiederverwendet (Wettlauf zu einem Scanner, da nur noch wenige Sekunden auf der Uhr sind) und das Ende ist enttäuschend und deutet sogar auf einen zweiten Teil hin.
Dem gegenüber steht die knapp erste Stunde des Films, welche den Zuschauer sehr gut in die Welt der Zukunft einführt und die angepassten Wirtschaftssysteme erklärt. Auch werden die Charakter meist gut und verständlich vorgestellt, welche sich jedoch leider selten weiterentwickeln und grösstenteils langweilig und stereotypisch bleiben, was meiner Meinung nach teilweise auch an den Schauspielern liegt.
Der ehemalige *NSYNC-Teenie-Schwarm Justin Timerlake ist für mich persönlich eine gute wen auch nicht perfekte Besetzung des Will Salas. Der Sänger hat sich mit der Schauspielerei ein gutes, zweites Standbein erschaffen in welchem er regelmässig mehr oder weniger erfolgreich seine Brötchen verdient. Nach dem (für mich überraschend guten) Auftritt im Film "Alpha Dog" im Jahre 2006 sowie der Synchronsprecherrolle im dritten Shrek-Film als Artie, rechnete ich nicht wirklich mit einer Rückkehr des Sängers. Doch nun ist "In Time" bereits der 4 grössere Film innerhalb 2 Jahren (neben dem Facebook-Film "The Social Network" und den beiden Komödien "Bad Teacher" und "Friends with Benefits") und ich vermute, dass dies erst der Anfang einer guten Karriere ist. Und ehrlich gesagt sehe ich ihn lieber in Filmen als Sänger...
An der Seite des ehemaligen Mickey-Mouse-Club-Kindermoderators spielt Amanda Seyfried die weibliche Hauptrolle der Sylvia Weis. Die sympathische Blondinne mit den Kulleraugen, welche ebenfalls im Film "Alpha Dog" ihren Durchbruch in Hollywood schaffte, baut in den ersten Minuten, welche sie im Film auftritt, eine geheimnisvolle und interessante Sphäre um Ihre Person auf. Man nimmt Ihr die Rolle als kühl-distanzierte und doch leicht rebellische Millionärstochter gerne ab. Leider entwickelt sich ihr Charakter im Film danach gar nicht mehr weiter. Zu keiner Zeit glaubt man später, dass sie die Überfälle auf die Banken wirklich will und auch nicht dass ihr Leben in Gefahr ist. Hier wurde sowohl von Amanda wie auch vom Drehbuch sehr viel Potenzial verschenkt.

Amanda Seyfried
In den Rollen der beiden "Haupt-Bösewichte" sehen wir den wenig bekannten Vincent Kartheiser als Philippe Weis und Cillian Murphy als Timekeeper Raymond Leon. Letzterer ist uns vor allem als Zombie-Verfolgter in "28 Days Later" und Batman-Gegner Scarecrow in "Batman Begins" in Erinnerung geblieben. An die Qualität des im Fledermaus-Film gespielten Psychiaters reicht die Rolle des Timekeepers jedoch nicht heran. Wie bereits im Film "Inception" sehe ich Murphy nicht als typischen Vertreter des Bösen und hätte mir hier einen Charakterdarsteller mit mehr Format gewünscht, welchen es aber wohl im benötigten Alter nicht gibt. Auch Kartheiser ist keine Idealbesetzung, doch für die Nebenrolle des Bankers reicht es. 
Apropos Nebenrollen: Sowohl Olivia Wilde als Mutter Salas und Johnny Galecki als Borel fand ich sehr gelungen. Wohl auch da ihre Auftritte leider sehr kurz sind, sind ihre Rollen spannend und gut gespielt. Die irisch-amerikanische Schauspielerin Wilde, welche unter anderem in der Serie "Dr. House" mitspielt, überzeugt in der Rolle der jungebliebenen Mutter. Wohl auch da sie in Wirklichkeit sogar 3 Jahre jünger ist als ihr Filmsohn Justin Timberlake. Der hingegen sogar 6 Jahre ältere, in Belgien geborene Johnny Galecki sieht im Film auch einiges älter aus, trotzdem fand ich seinen Auftritt sehr erfrischen. Dies vor allem, da er zurzeit als Physiker Leonard Hofstadtler in meiner Lieblingsserie "The Big Bang Theory" die Hauptrolle übernimmt und ich ihn als Schauspieler sehr schätze.
Die oben angesprochenen Alter der Schauspieler sind ein weiterer Kritikpunkt am Film. Bereits zu Anfang wird uns klar mitgeteilt, dass in dieser Zukunft niemand älter als 25 Jahre aussieht. Trotzdem sieht man einigen Schauspielern und Statisten deutlich die zusätzlichen Jahre dies sie in Wirklichkeit haben an. Das zerstört aus meiner Sicht stark das Bild und die Atmosphäre der Geschichte. Auch sonst ist die Welt stellenweise nicht 100% glaubhaft und schlüssig, und erweckt manchmal nicht den Eindruck einer realistischen Zukunft welche uns drohen könnte. Zu nah sind gewisse Technologien den heutigen, zu ähnlich ist die Welt von morgen der heutigen, obwohl es wohl viele Jahrzehnte benötigt hat so eine Umwelt und Gesellschaft aufzubauen. Obwohl es sich um Science-Fiction handelt, beschränkt sich der technische Fortschritt augenscheinlich nur auf die Lebensuhr und die direkt damit verbundenen Technologien.

Fazit: "In Time" ist ein klassisches Beispiel wie ein guter Trailer Hoffnungen und Erwartungen schürt, welche später der Film nicht erfüllen kann. Die, unbestritten tolle und interessante, Idee der Lebensuhr ersetzt leider nicht ein komplette und fesselnde Geschichte. Andrew Niccol vergibt in diesem Film viel Potenzial in der Geschichte und mit seiner Schauspieler-Auswahl. Trotzdem sollten Interessierte einen Blick auf diesen Film werfen. Hoffen wir die Lebensuhr wird zukünftig in anderen Filmen ebenfalls aufgegriffen, wenn auch nur als Nebenelement.
Auf einer Skala von 1 bis 10 erhält der Film von mir 5 Punkte

6. November 2011

Popcorn #5 - The Book of Eli

Eine postapokalyptische Welt, alles Land ist tot und eine Wüste, die Überlebenden kämpfen ums die notwendigsten Dinge, Tauschhandel hat Geld ersetzt und Waffengewalt ist das einzige Gesetzt. Heutzutage, in einer Konsumgesellschaft welche im Überfluss lebt, ist dieses Szenario sehr beliebt bei den Game-Herstellern die Hits wie Fallout 3 oder Rage programmieren. Aber auch Hollywood lässt sich ab und an von dieser düsteren Zukunftsvision inspirieren. Wie auch die Macher des Films "The Book of Eli".
Die Geschichte beginnt irgendwo in einem Wald mit einer Leiche und einer Katze. Die Katze wird kurz darauf von einem Pfeil durchbohrt, welcher von einer unheimlichen Gestallt in Gasmaske abgeschossen wurde. Es ist das Jahr 2044 und somit 30 Jahre nach dem "Grossen Krieg" und dem verehrenden "Blitz", welcher wohl die Ozonschicht zerstört hat, weshalb ein Grossteil der Menschheit ausgestorben ist. Viel mehr ist nicht über die Welt zu erfahren in dem sich der einsame Wanderer Eli (Denzel Washington) bewegt. In einem Haus, in welchem er dem erhängten Besitzer die Schuhe abnimmt, brät er die Katze, hört Musik auf seinem iPod welcher er über eine grosse Batterie mit Strom versorgt und liest in seinem Buch. Dieses Buch, namensgebend für den Film ist nicht irgendein Buch, sondern die Bibel. Wahrscheinlich ist dies sogar die letzte Bibel auf der Welt, da alle anderen nach dem Krieg verbrannt wurden. 
Am nächsten Tag stösst Eli auf eine Räuberbande, die nicht auf seine Warnungen hören wollen und kurzerhand von ihm und seiner Machete massakriert werden. An dieser Stelle zeigt der Film, weshalb er eine "ab 16"-Freigabe erhalten hat. Bald darauf beobachtet er eine zweite Diebesbande mit Motorrädern, welche ein Paar überfallen und folgt ihnen daraufhin in eine kleine Siedlung. Im Landen der Siedlung will er seine Batterie wieder aufladen (und bezahlt den Händler mit KFC-Frischetüchern) und in der Bar seinen Wasservorrat wieder auffrischen. Doch in der Bar trifft er auf die Motorrad-Band und legt sich mit ihnen an. Natürlich überlebt von ihnen keiner und der Siedlungschef Carnegie (Gary Oldman) bemerkt den Aufstand. Zuvor hat er von der Bande die Beute erhalten, welche mehrheitlich aus Büchern (z.B. Sakrileg) und Zeitschriften bestand. Zu diesem Zeitpunkt erfährt man, dass Carnegie verzweifelt auf der Suche nach einer Bibel ist, da diese Buch für ein eine ultimative Waffe darstellt, mit welcher er die Menschen in seiner Umgebung kontrollieren will. Nur noch wenige Menschen können lesen und mit den richtigen Worten glaubt er, könne er noch mehr Macht erhalten. 
Carnegie, der nichts von der Bibel im Gepäck des Wanderers ahnt, macht ihm ein Angebot, dass er in der Stadt bleiben und für ihn arbeiten soll, und gibt ihm eine Nacht Bedenkzeit. In der Nacht besucht ihn die Stieftochter des machthungrigen Herrschers, die rebellische Solara (Mila Kunis), und sieht dabei die Bibel. Als am nächsten Morgen Carnegie durch eine Unachtsamkeit von Solara von dem Buch erfährt, wird es ernst für Eli. Er macht sich schnellstens weiter auf seinen Weg Richtung Westen, welcher er seit Jahren folgt. 

Eli auf Wanderschaft
Auf seiner Flucht wird er nun von Carnegie und seiner Leibgarde persönlich verfolgt, hat aber nun auch die junge Solaria als neue Begleiterin. Die Fahrzeuge der Verfolger zeigen ganz klar die Inspiration durch den Film "Mad Max". Die anfängliche Ablehnung durch Eli ist schnell vergessen, all sich die beiden in einem Haus von Kannibalen wiederfinden und es gleichzeitig zum Showdown mit Carnegie kommt. Eli wird schlussendlich schwer verletzt und verliert auch sein Buch, setzt seine Reise jedoch mit dem Mädchen fort. 
Als sie am Ende die Überreste von San Francisco erreichen, entdecken Sie auf der ehemaligen Gefängnisinsel Alcatraz eine Art Arche für die vergangene Zivilisation. Und hier löst sich das letzte grosse Geheimnis um Eli und sein Buch...

Die interessante Geschichte um den einsamen Wanderer wird im Film sehr bildgewaltig erzählt und dargestellt. Ein Graufilter, welcher viele der Farben zurückbindet, wurde sehr gut eingesetzt. Über viele Passagen wird sehr wenig gesprochen und nur mit den Bildern eine gute und vor allem einsame Stimmung erzeugt. Genre-typisch sind die Kostüme und Kulissen alles andere als auf Hochglanz poliert, sondern sind staubig und kaputt. Man sieht dadurch gut, wie die Menschen dieser Welt um ihr überleben kämpfen müssen und aus allen Überbleibsel der Vergangenheit versuchten zu Recht zu kommen. Dies ist im Film sehr glaubhaft umgesetzt und unterstützt die Atmosphäre sehr gut. Obwohl sich die Geschichte um die Bibel dreht und sehr interessant umgesetzt ist, gefällt mir persönlich dieser Aspekt nicht sehr gut, was aber mit meiner Ablehnung zur Bibel zutun hat. 
Ein Highlight des Films ist unbestritten Gary Oldman als Bösewicht. Das der "Sirius Black"-Darsteller das böse sein drauf hat, bewies er bereits in Filmen wie "The fifth element". Zum einen schafft er es, den Zuschauer für seine Ideen (resp. diejenigen des Charakters) zu gewinnen und danach mit einer verrückten Tat zu verstören. 
Aus Denzel Washington spielt den Wanderer Eli sehr überzeugend und teilweise mitreisend. Brutalität, Einsamkeit aber auch Witz und Einfühlungsvermögen von Eli sind glaubhaft. An die Leistung eines "Hurrican" oder "Trainging Day" reicht es jedoch nicht heran.
Einzig die süsse Mila Kunis (Black Swan) mag nicht zu 100% zu überzeugen. Dies liegt jedoch nicht unbedingt an ihrer Leistung sonder am Charakter der Solara. Sie ist leider im Drehbuch sehr eindimensional gehalten und kann sich so nicht wirklich entwickeln und wirkt stellenweise störend und aufgesetzt. Man kauft Solara irgendwie nicht ab, das sie seit ihrer Geburt in dieser Welt versucht zu überleben. 
Wer sich in der Postapokalypse wohl fühlt, wird sich auch mit diesem Film sehr gut und kurzweilig unterhalten fühlen. Mit ca. 110 Minuten ist der Film sogar sehr kurz und hätte somit mehr Handlung und Schauplätze verdient gehabt. Ansonsten ist der Film gut inszeniert und die brutalen Kämpfe mit abgeschnittenen Gliedmassen und Köpfen passen perfekt in die Atmosphäre des Überlebens. Für Endzeit- und Action-Freunde eine Empfehlung. 
Auf einer Skala von 1 bis 10 erhält der Film von mir 6 Punkte.

4. Februar 2011

Popcorn #4 - Double feature mit R.E.D und Hereafter

In letzter Zeit ist leider hier auf dem Blog nicht mehr regelmässig ein Beitrag erschienen, da mir schlicht die Zeit gefehlt hat, gute Berichte zu schreiben. Vor allem Filmkritiken nehmen sehr viel zweit in Anspruch, da ich mir auch sehr grosse Ziele damit gesetzt habe. Als Entschädigung hierfür gibt es jedoch heute einen Bericht mit gleich zwei Filmkritiken. Diese sind freilich nicht so ausführlich wie gewohnt, was aber auch aufgrund der Qualität der Filme zurückzuführen ist.

R.E.D.

Es ist nun bereits fast eine Woche her, seit ich diesen Film in Basel gesehen habe. Nachdem wir am Mittag „Black Swan“ gesehen hatten (Kritik vom 31.01.2010) und danach in Colmar waren, kamen wir auf die Idee noch ein zweites Mal im Pathé Kino in Basel einen Film zu schauen. Aufgrund der späten Ankunft in Basel blieb aus eine der wenigen Alternativen der Film „R.E.D.“ übrig.

Was hat man für Erwartungen und Vorstellungen an einem Film mit Bruce Willis? Action, Stunts, coole Sprüche und dünne Story?! Ich für meinen Teil habe mich mit genau diesen Vorstellungen in den Kinosessel gesetzt. Und was ich in den nächsten 111 Minuten geboten bekam enttäuschte mindestens diese Erwartungen nicht.

Der Plot der Story ist schnell erzählt. Der ehemalige CIA-Topagent Frank Moses (Bruce Willis) lebt ruhig und zurückgezogen in einem Vororthaus. Und er langweilt sich. Regelmässig erhält er Schecks von der Pensionskasse, die er auf der Stelle zerreisst damit er mit der zuständigen Sachbearbeiterin Sarah (Mary-Louise Parker) telefonieren kann. Eines Tages kündigt er einen Besuch in ihrer Stadt an, worauf sich die beiden treffen wollen. In der nachfolgenden Nacht wird Frank zuhause von einem Killerkommando aufgesucht, worauf das ganze Haus zerstört wird. Der immer noch fitte Rentner, deshalb auch der Titel R.E.D. = Retired Extremely Dangerous (Pensioniert, extrem gefährlich), entkommt jedoch und flüchtet. Kurz darauf bricht er in die Wohnung von Sarah ein und nimmt sie als Geisel.

Im Verlaufe des Filmes erfährt man, dass Franke Moses früher bei den Black Ops war, und zu den besten Agenten der Welt gezählt hatte. Nach und nach stossen weitere (ehemalige) Agenten zu ihnen, wie zum Beispiel der komplett verrückte Marvin (John Malkovich) und die Killerin Victoria (Helen Mirrer). Auch mit dem ehemaligen Feind aus der U.D.S.S.R. resp. Russland wird nun zusammengearbeitet, hier in Form vom Botschafter Ivan Simanov (Brian Cox). Nach und nach erfährt die Gruppe, was eigentlich los ist. Es geht um gewisse Ereignisse in Guatemala in den 80er Jahren und wie diese einem einflussreichen Politiker ein Dorn im Auge sind.

Die Geschichte ist wie bereits erwähnt sehr dünn, ohne grosse Überraschungen oder Wendungen. Zwischen den vielen Sequenzen, in denen hemmungslos wie immer geschossen und gekämpft wird, zieht sich eine vorhersehbare Story als roter Faden durch. Wichtiger jedoch sind die vielen unmöglichen Stunts und Kommentare der Darsteller sowie Explosionen und Feuergefechten (meist mit Munition des grösseren Kalibers), die den Film zu einem waschechten Männer-Action-Film machen. Dass das Guten am Ende siegt und Frank das Mädchen erhält, ist mehr als logisch.

Zum Glück wurden für diesen Film echte Stars aus Hollywood engagiert. Bruce Willis schiesst sich in gewohnter „Die Hard“-Manier durch den Film und überzeugt als alternder Action-Star. Helen Mirrer (The Queen) als eiskalte Killerin erhält für meinen Geschmack einen zu kurzen Auftritt, da ihrer Rolle einiges an Potenzial geboten hätte. Am besten gefiel mir jedoch John Malkovich (keine Ahnung welcher Film hier am besten als Referenz angegeben werden kann, da er eine grosse Auswahl hat) als verrückter Einsiedler Marvin. Die Rolle ist ihm wie auf den Leib geschrieben und für Lacher ist gesorgt. Einzig Mary-Louise Parker als Sarah vermag nicht zu überzeugen. Auch da ihrer Rolle mehr als langweilig und unglaubwürdig geschrieben ist, kommt es hier zu keine Glanzleistung.

R.E.D. ist ein klassischer Actionfilm für alle ohne grosse Ansprüche. Wer die „Die Hard“-Reihe mochte, wird sich auch in diesem Film wohl fühlen. Ob man sich aber in 2-3 Jahren überhaupt noch an diesem Film erinnern mag, wage ich zu bezweifeln. Ideal als Popcorn-Kino für Männer, mehr ist hier jedoch nicht.

Auf einer Skala von 1 bis 10 erhält der Film von mir 5 Sterne.

„R.E.D.“ gesehen im Pathé Küchlin Basel (Saal 4) am 29.01.2011 auf Englisch

Hereafter

Clint Eastwood führt Regie. Wenn das kein Argument für einen guten Film ist. Nach grandiosen Filmen wie  „Gran Torino“, „Invictus“, „Mystic River“ „Million Dollar Baby“ und dem Doppelfilm „Flags of our Fahthers/ Letters from Iwo Jima“ (um nur die aktuellsten der letzten 10 Jahre zu nennen) setzte ich sehr, sehr hohe Erwartungen an diesen Film. Zudem würde das Drehbuch von Peter Morgan geschrieben, welcher bereits für z.B. „The Last King of Scotland“ und „The Queen“ verantwortlich war.

Gemäss dem Trailer dreht sich die Geschichte um einen Menschen, ein sogenanntes Medium, welches mit den Toten kommunizieren kann. Des Weiteren sah man in der Vorschau zwei Ereignisse der näheren Geschichte, nämlich die Bombenanschläge auf die Metro von London sowie den Tsunami in Thailand.

Mit letzterem beginnt der Film dann auch. Eine französische Journalistin Marie Lelay macht Ferien auf Thailand und wird beim shoppen vom Tsunami überrascht und wird dabei fast getötet. Dieses Nahtod-Erlebnis wirft die junge Frau, gespielt von der Belgierin Cécile de France (In 80 Tagen um die Welt), komplett aus der Bahn. Sie nimmt sich von ihrem Moderationsjob beim Sender France 2 eine Auszeit und schreibt ein Buch darüber. Recherchen für dieses Buch führen sie unter anderem auch in ein Hospiz in die Schweiz. Später wird sie dieses Buch in London an einer Buchmesse vorstellen.

Zeitgleich verliert der 12-jährige Marcus aus London seinen Zwillingsbruder durch einen Unfall. Weil die alleinerziehende Mutter zudem Drogen- und Alkoholsüchtig ist, wird Marcus durch das Sozialamt an eine Pflegefamilie weitergegeben. Der Junge, der stehst als der ruhigere der Zwillinge galt, verschliesst sich noch mehr von seiner Umwelt und vor allem seinen Pflegeeltern. Da er nicht von seinem Bruder loskommt, versucht er mit ihm Kontakt aufzunehmen. Zu diesem Zweck stiehlt er von seinen Pflegeeltern 200£ und sucht erfolglos mehrere „Experten“ auf, welche sich jedoch alle als Lügner und Betrüger herausstellen. In diesen Szenen fühlt man sich sehr stark an Leute wie Mike Shiva und Konsorte erinnert. Später besuchen Pflegeeltern zusammen mit Marcus das ehemalige Pflegekind der Familie, welches nun als Wachmann bei der ob genannten Buchmesse arbeitet.

Als dritter Handlungsstrang des Films sieht man schliesslich auch noch in das Leben von George Lonegan (Matt Damon). Lonegan wurde aufgrund einer Krankheit und der daraus resultierenden Operation in der Kindheit zum Medium, der im Gegensatz zu den anderen wirklich mit den Toten sprechen kann. Hierfür reicht meistens schon eine kurze Berührung mit der noch lebenden Person, um Kontakt aufzunehmen. Früher hat er diese Gabe sogar vermarktet, bis er seelisch so kaputt war, dass er dies auch aufgeben musste. Was sein Bruder Billy als Gabe und Verpflichtung sieht, ist für George ein Fluch. Deshalb arbeitet er jetzt in einem Lager am Hafen von San Franzisco als Gabelstaplerfahrer. Dort wird er jedoch aufgrund Umstrukturierungen entlassen. Als sein Bruder ihn wieder in den Beruf als Medium drücken will, flüchtet George nach London. Dort wandelt er auf den Spuren seines Idols Charles Dickens, und besucht dort auch die Buchmesse.

An diesem Ort werden die drei unabhängigen Handlungsstreifen von George, Marcus und Marie zusammengeführt. Dies geschieht jedoch für mich auf sehr umständliche und unnatürliche weise. Zudem findet dieses Ereignis im ca. letzten Viertel des Filmes statt. Hier wurde sehr viel Potenzial für interessante Wendungen vergeben. Auch sonst ist der Film alles andere als interessant. Abgesehen von einigen Szenen, plätschert die Story über die gut 2 Stunden dahin, ohne das gross etwas passiert oder man überrascht wird. Die Szene mit dem Tsunami ist sehr ein- und bedrücklich inszeniert, die Landschaftsaufnahmen vor allem von Paris sind wunderschön, Dialoge werden mit Nahaufnahmen unterstrichen und den italienischen Kochkurs an der Abendschule, welche George besucht, sind eine lustige Abwechslung. Zudem sind die visuellen Effekte, welche die Kontaktaufnahme mit den Toten zeigen, sehr schön gemacht (deshalb wohl auch die Oscar-Nominierung bei den „Visual Effects“). Doch dies alles kann die Story nicht retten.

Auch die schauspielerische Leistung der ganzen Crew ist nicht erwähnenswert, weder positiv aber auch nicht negativ. Matt Damon hat schon mehrfach bewiesen, dass er solche Rollen spielen kann. Trotzdem war es Durchschnitt und ersetzbar. Höchstens die Zwillinge McLaren könnten mit ihrem Auftritt etwas für ihre Zukunft gemacht haben. Cécile de France spielte zwar ihre Rolle sehr gut, jedoch war sie für mich von Anfang an eher unsympathisch, was sich im Laufe des Filmes nicht änderte.

Das Gefühl, dass mich beim relativ abrupten Ende beschlich, war nicht sehr angenehm. Nach ca. 129 Minuten war für mich die Geschichte noch nicht erzählt, bot aber auch keine Möglichkeit für eine Fortsetzung. Weder war hier ein richtiges Happy-End noch hat sich viel geändert, trotzdem war die Geschichte irgendwie abgeschlossen. Die Grundidee des Filmes liess sehr viel Spielraum, davon wurde jedoch praktisch nicht Gebrauch gemacht. Sehr schade, finde ich. Hereafter muss man also nicht gesehen haben. Da zurzeit sowieso sehr viele gute Filme in den Kinos laufen, bleibt dies wohl der Notlösungsfilm für diejenigen die alles schon gesehen haben oder wenn einfach nichts anderes läuft.

Auf einer Skala von 1 bis 10 erhält der Film von mir 4 Sterne.

„Hereafter“ gesehen im Pathé Westside (Saal 4) am 03.02.2011 auf Deutsch

31. Januar 2011

Popcorn #3 - Black Swan

 
Am 27. Februar werden im Kodak Theatre in Los Angeles wieder die Academy Award of Merit, besser bekannt als Oscar, verliehen. Einer der diesjährigen Favoriten ist der Psychotriller "Black Swan" von Darren Aronofsky. Neben Beste Kamera, Bester Schnitt und Beste Regie, ist er auch in den wichtigen Kategorien Beste Hauptdarstellerin und Bester Film nominiert. Definitiv Gründe für mich, mir diesen Film nicht entgehen zu lassen.

Am Samstag war ich unter anderem in Basel und besuchte dort das Pathé-Kino Küchlin (Bericht folgt). Nach zwei McDonalds-Werbespots in breitestem Baslerdialekt und den obligaten Vorschauen begann der Film, welcher bereits hohe Wellen der Begeisterung und Empörung ausgelöst hat.




Der Handlung dreht sich rund um eine Ballett-Company in New York. Der Direktor Thomas Leroy, gespielt von Vincent Cassel (bekannt als François "Nachtfuchs" Toulour aus Ocean's Twelve), sucht zur Saisoneröffnung eine Tänzerin für die Hauptrolle im berühmten Ballett "Schwanensee". Die Handlung dieses Stücks ist relativ simpel (und wird zum Glück im Film erklärt): Eine Prinzessin ist gefangen in einem Schwanenkörper, und nur die wahre Liebe kann sie retten. Dies scheint auch wahrscheinlich, da sich ein Prinz in den Schwan verliebt und sie so retten will. Jedoch wird dieser Prinz von einem schwarzen Schwan verführt, wodurch die Prinzessin alle Hoffnung verliert und sich selber umbringt.

Da in den letzten Jahren die Besucherzahlen im Ballett stetig gesunken sind, versucht Leroy die Aufführung interessanter zu machen, als das die Hauptrolle sowohl den weissen wie auch den schwarzen Schwan spielen soll. Dies wird für die junge Ballerina Nina Sayers (Natalie Portmann) zur grossen Herausforderung. Aufgrund ihrer Perfektion und Eleganz ist sie wie geschaffen für die Rolle des weissen Schwans, jedoch fehlt ihr Leidenschaft und Sinnlichkeit für die Verführungen des schwarzen Schwans zu spielen. Beim ersten Vortanzen wird ihr dies auch von Leroy bestätigt. Als sie ihn später jedoch um eine Aussprache bittet, küsst der Direktor sie unvermittelt wogegen sich Nina mit einem Biss in seine Lippen wehrt. Dies gefällt dem Franzosen und deutet dies als Ehrgeiz, welcher danach doch mit der Hauptrolle belohnt wird.

Gleichzeitig erscheint eine neue Tänzerin Lily, dargestellt von Mila Kunis (The Book of Eli), in der Company. Ihre lockere Art und die Ungezwungenheit zeichnen praktisch die Negativaufnahmen von Nina, welche erkennt dass die Neue perfekt den schwarzen Schwan spielen könnte. Dies treibt sie zu der Annahme, dass Lily ihr die Rolle wegnehmen möchte. Auch sonst wird Nina zunehmend von Ängsten und Halluzinationen geplagt. Ihre Mutter, welche sie streng erzogen hat, entdeckt auf dem Rücken eine aufgekratzte Wunde, welche im Verlaufe des Filmes immer grösser wird.

Mehr möchte ich aber über die genaue Handlung des Filmes nicht mehr verraten. Weil aus meiner Sicht die grobe Handlung des Filmes relativ durchschaubar ist, lebt dieser Film vor allem durch die Atmosphäre. Der Film beginnt relativ ruhig und erklärt auf lockere Art und Weise die grundsätzlichen Dinge und führt sämtliche wichtigen Personen des Films logisch aber ungezwungen ein. Man erhält nicht alle Informationen sofort auf dem Silbertablett serviert, lebt sich jedoch schnell in diese, für die meisten unbekannte, Welt des Balletts ein. Doch mit zunehmender Dauer werden auch die Bilder düsterer, die Handlung komplizierter und die Schreckensmomente häufiger. Häufig ist es schwer zu unterscheiden, was real passiert und was sich nur im Kopf der Protagonistin abspielt. Da sieht man nur aus dem Augenwinkel gemalte Bilder die einem mit den Augen folgen, hört Geräusche die beklemmend sind und die Spannung wird immer wieder von neuem aufgebaut.

Im ganzen Film gibt es nur wenige Schauplätze, da sich die Story meistens im Ballett-Theater oder zuhause bei Nina abspielt. Diese Orte sind jedoch sehr emotional, wenn auch beide sehr verschieden sind. Im Zimmer der Ballerina ist deutlich zu sehen, dass Sie noch immer ein Kind ist. Überall stehen Stofftiere und es ist in schlichtem Weiss gehalten. Auch das Verhalten ihrer Mutter, welche Sie jede Nacht zudeckt und sie umsorgt, zeigt unmissverständlich, in was für einer augenscheinlich heilen Welt das Mädchen lebt. Dagegen sind die kalten Gängen und Garderoben des Theaters weniger einladend und zeigen dem Zuschauer, dass hier hart gearbeitet wird.
Jedoch hat mich eine weitere Lokation im Film sehr beeindruckt, da diese überhaupt nicht zu den anderen zu passen scheint: die Disco. Nachdem Nina sich gegen den Willen ihrer Mutter durchgesetzt hat und mit Lily abends eine Bar besucht hat, treffen Sie zwei Typen. Sie nehmen zusammen irgendwelche Pillen und besuchen anschliessend eine Disco. Diese Szene ist mit schnellen rot-grün Lichtwechsel, basslastiger Technomusik und abrupten Blickwinkelwechseln untermalt und vermittelt den Kinobesuchern den Drogenrausch relativ intensiv.

Des Weiteren sind auch einige erotische bis pornografische Szenen enthalten, welche von der Hauptdarstellerin, Natalie Portmann, sehr vieles abverlangen. Diese Szenen wurden sehr kritisch von den Medien kommentiert, für mich sind diese jedoch nicht grenzwertig, sondern zeigen auf interessante weise die Entwicklung der Figur Nina.

Ok, ich gebe es ja gerne zu: Ich kann für die Leistung von Natalie Portmann keine objektive Wertung abgeben. Seit vielen Jahren gehört die 30-jährige zu meinen absoluten Lieblingsschauspielerinnen, vor allem durch ihre Leistung im Film "Garden State". Doch nun hat Sie selbst diese Leistung übertroffen. Sie spielt nicht nur die Ballerina, sie ist die Ballerina. Emotionen wurden selten so überzeugend dargestellt wie in diesem Meisterwerk. Praktisch in jeder Szene ist israelisch-amerikanische Schauspielerin zu sehen, wie der Filmkritiker Patrick Wellinski (kino-zeit.de) schreibt: "Sie ist der Film".
Auch die Nebendarstelle brillieren in ihren Rollen, auch wenn Vincent Cassel wieder einmal den Klischees der Franzosen entspricht. Mila Kunis dagegen nimmt man die Rolle der lockeren Lily ab. Zudem ist sie neben Natalie Portmann die zweite Augenweide im Film.

Filme welche bei den Oscars (voraussichtlich) abräumen, werden oft von Zuschauern überrannt, teilweise von Leuten, die nur sehr selten in einem Kinosaal anzutreffen sind. Nun stellt sich die Frage, ob der Film für jedermann zu empfehlen ist. Ich glaube nein... Black Swan ist keine leichte Kost, kein Sonntag-Nachmittag-Popcorn-Film, es ist ein Psychotriller der Extraklasse. Wer hier einen Tanzfilm mit Happy-End erwartet wird schwer enttäuscht. Die Zuschauer müssen sich bewusst sein, dass sie unappetitliche, angsteinflössende und sexuelle Szenen zu sehen bekommen, die noch einige Zeit nach dem Abspann nachwirken werden. Wer sich hierfür jedoch einlässt erhält als Belohnung ein Film der Extraklasse, der dank der Hauptdarstellerinnen bei mir einen persönlichen Spitzenplatz erreicht.
Auf einer Skala von 1 bis 10 erhält der Film von mir 9 Sterne. 
  
"Black Swan" gesehen im Pathé Küchlin Basel (Saal 3) am 29.01.2011 auf Deutsch

12. Januar 2011

Popcorn #2


Burlesque

Böse Zungen behaupten, dass das Rezept für einen 08/15-Musik-/Tanzfilm wie folgt lautet:
Junges unschuldiges Mädchen (vom Land) hat den Traum von der grossen Bühne, kommt zufällig zu einer Chance und nützt diese überraschend selbstbewusst aus, steigt innert kürze von der Randerscheinung zum grossen Star auf und begeistert das Publikum. Hinzu kommt noch eine Dreiecks-Liebesbeziehung mit einem Traumtypen und dem obligaten Bad-Boy, ein wenig Romantik, Sex und Eiversucht (meist aufgrund eines Missverständnis), eine "böse" Konkurrentin auf der Bühne, ein Bösewicht der das ganze Projekt zu seinen Gunsten Sabotieren möchte und natürlich die Lehrerin oder Lehrer, welche das Mädchen fördert.

Der Film Burlesque ist im Prinzip ein Film nach genau diesem Muster. Sämtliche ob genannten Zutaten kommen auch hier vor, und trotzdem darf man diesen Film nicht in die gleiche Ecke mit StreetDance, Stomp the Yard oder Dirty Dancing stellen. Doch das Ganze von vorn...

Die Kellnerin Ali Rose (Christina Aguilera) reist mit wenig Geld und viel Hoffnung und noch mehr Talent in die Grossstadt Los Angeles um ihr Glück zu versuchen. Eines Abends entdeckt sie das Lokal "Burlesque-Lounge" und ist von den Tanzeinlagen auf der Bühne total begeistert. Nach einigem hin und her schafft sie es Tess (Cher), die Besitzerin des Clubs, davon zu überzeugen, dass sie ebenfalls das Talent für den Burlesque-Tanz besitzt. Als kurze Zeit später die Technik für das Playback der Tänzerinnen ausfällt, kann sie Ihre Gesangskünste unter Beweis stellen und wird zum Star des Lokals (welches in finanziellen Nöten steckt). Zudem findet Sie im Barmann Jack (Cam Gigandet) und dem Immobilien-Hai Marcus (Eric Dane, bekannt als Dr. Mark Sloan in der Serie Grey's Anatomy) zwei Männer, die intensiv um sie werben.

Diese Geschichte allein macht aber den Film noch nicht interessant. Hierfür sind für mich 2 Aspekte entscheidend: die Darsteller und das Musikgenre.

In den letzten Jahren wurden die Kinos praktisch überhäuft mit Tanz- resp. Musikfilmen. Dabei war der musikalische Trend des Hip-Hops klar zu erkennen, da sich die meisten Filme mit den div. Tanzstylen aus diesem Genre befassten. Auch ein paar Filme mit lateinamerikanischen Rhythmen (Dirty Dancing 2) waren zu sehen. Jedoch füllte ich mich weder vom einen noch vom anderen gross angezogen, da dies aus meiner Sicht eher Frauenfilme waren, die nach dem ob genannten Schema abliefen. Zwar waren die Tanzeinlagen meistens recht ansehnlich aber meistens ähnlich und gleich. Zudem geht mir ehrlich gesagt das hip-hop-Getue der heutigen Jugend bereits in der Stadt auf die Nerven, da will ich mir das im Kinosaal nicht auch noch antun.
Burlesque geht jedoch in Sachen Musik und Tanz endlich wieder einmal in eine andere Richtung. Der namensgebende Tanzstyle stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Burlesque ist sozusagen die kleine scheue aber elegantere Schwester des Strips. Frauen in glamourösen Kleidern tanzen lasziv und erotisch zu den swingenden Klängen der Band und ziehen Sicht (zum Teil) aus, jedoch ohne zu viel Haut zu zeigen oder pornografisch zu werden.
Genau dieser Umstand macht den Film sowohl für Frauen wie auch Männer interessant. Die seichte Story wird durch die schön choreographieren Tanzeinlagen, den Singkünsten der Darsteller und der mitreisenden Gute-Laune-Musik (inkl. Klassiere wie "Diamonds are a Girls best friend") überdurchschnittlich aufgewertet. Der Soundtrack zum Film ist definitiv eine Kaufempfehlung! Hier der, aus meiner Sicht, beste Track im Film: 



Das zweite Highlight des Films ist für mich die Besetzung. Ein Staraufgebot aus Film und Musik gibt dem Streifen den nötigen Glanz. Hierbei überrascht in erster Linie die Hauptdarstellerin Christina Aguilera. Die Sängerin mit ecuadorianischen Wurzeln spielt in Ihrem ersten richtigen Film gleich die Hauptrolle und überzeugt praktisch auf der ganzen Linie. Bis auf den etwas langatmigen Anfang, wo man ihr das schüchterne Mädchen vom Lande (Iowa) nicht richtig abnehmen kann (aufgrund des Images das sie zur Zeit ihres zweiten Albums "Stripped" hatte), nimmt man ihr die Rolle der Ali ab. Sie kommt authentisch rüber, zeigt persönliche Schwächen und sieht die Freude in ihren Augen, wenn sie auf der Bühne steht. Zudem ist die ehemalige Mickey-Mouse-Club-Moderatorin erwachsen geworden - aus dem scheuen Mädchen wurde vor ein paar Jahren der verruchte Vamp X-tina, aus welcher nun die Frau und Mutter Christina wurde (schliesslich wird sie dieses Jahr bereits 31 Jahre alt). In meinen Augen ist sie Hübscher als jemals zuvor und strahlt einen Charakter aus der praktisch das pure Gegenteil ist von ihrer ehemaligen Moderationskollegin Brittney Spears. Etwas hat sich jedoch über all die Jahre nicht verändert: Ihre grandiose Stimme, welche Tonlagen erreicht die mir eine Gänsehaut bescheren. Ich hatte vor ein paar Jahren das Glück, sie live in Zürich auf der Bühne zu sehen, und war bereits damals begeistert von ihrem Talent.

Die zweite Hauptrolle im Film wurde von der Sängerin Cher übernommen, welche bereits in mehreren Filmen spielen durfte. Die 65-jährige spielt die Besitzerin des Clubs, Tess, grundsätzlich gut. Man nimmt ihr die Rolle als Chefin und Mutter der Tänzerinnen gut ab. Zudem hat auch sie ihre gelegentlichen Auftritte auf der Bühne inkl. Livegesang. Was ich jedoch bei ihr vermisste, waren die grossen Emotionen. Ob es nun Freude, Trauer oder Wut war, irgendwie sah man es ihr nie genau an, was sie denkt. Ob dies an den vielen Ersatzteilen in ihrem Gesicht (und restlichen Körper) lag, sei mal dahingestellt.

In weiteren Rollen brillierten bekannte Gesichter wie Eric "Dr. Mark Sloan" Dane, Cam Gigandet und Peter Gallagher (bekannt aus O.C., California) sowie Stanley Tucci.

Alles in allem ist der Film weder Fisch noch Vogel. Der Film kann mit den Klischees der gängigen Musik-/Tanzfilmen nicht aufräumen und bietet auch keine mitreisende, innovative Story. Dies mag für den Durchschnitts Kinobesucher nicht unbedingt ein Problem sein, hat mich jedoch gestört. (höchstens 3 Sterne). Viele Pluspunkte sammelt der Film jedoch durch das Thema des Burlesque-Genres und die Hauptdarsteller. Wenn man den Film im Kino verpasst, ist es keine Tragödie, trotzdem ist er doch zu empfehlen für all jene mit gutem Musikgeschmack, ein Auge für schöne Frauen (oder Männer) und wer gerne solche Filme hat. Ich hatte meinen Spass und werde mir den Film auf DVD und den Soundtrack als CD kaufen.
Auf einer Skala von 1 bis 10 erhält der Film von mir 6 Sterne. 

"Burlesque" gesehen im Pathé Westside (Saal 9) am 11.01.2011 auf Deutsch