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31. März 2012

the black blog in Japan Teil 7 - Tag 4: Groundhopping-Spezial

Es ist Samstagnachmittag, im gut gefüllten Stadion warten die Fans voller Spannung auf das Spitzenspielt dieser Runde. Der Viertplazierte empfängt heute den Tabellenführer aus dem Norden. Nur zwei Punkte trennen die beiden Mannschaften, jedoch wurden auch erst 3 Runden gespielt. Auf beiden Seiten hinter den Toren stehen die jeweiligen Supporter mit den farbigen Bannern und den Fahnen. Heute heisst es Rosa-Blau gegen Gelb-Blau, es heisst Cerezo Osaka gegen Vegalta Sendai. Und es geht um meinen 12. Länderpunkt beim Groundhoppen!


Das heutigen Spiel: Cerezo Osaka vs. Vegalta Sendai
Der Morgen begann heute sehr spät, denn wir hatten unseren Handy-Wecker nicht gehört, sodass wir erst um viertel vor 10 aufwachten. Der Ärger um die verpasste Zeit war schnell vergessen, als wir einen kurzen Blick aus dem Fenster warfen: Es regnete Sturzbäche! Somit war die vormittägliche Besichtigung definitiv gestrichen. Da wir hier im Hotel nun kein Frühstück mehr gratis essen können, hatten wir uns am Vortag mit einigen Dingen eingedeckt und machten mit der im Zimmer aufgestellten Kaffeemaschine unser eigenes Frühstück. Danach ging es mit dem Hotelbus Richtung Stadt, wo mich meine Kollegin für Ihre Tagestour verliess. Ich fuhr weiter bis zum Bahnhof Kyōto wo ich mir die Reservation für den Zug bis zur Station Tennoji (in Osaka) geben lies. Mein Plan war es, ca. um 1 Uhr los zu fahren und ca. um 2 Uhr beim Stadion zu sein, was gemäss Google Navigation in etwa hinkommen könnte. Ich kam jedoch erst um 2 Uhr bei der Station Tennoji an und musste dort noch auf einen Regionalzug umsteigen. Nach drei Stationen war ich bei der Haltestelle Tsurugaoka, welche 5 Gehminuten vom Stadion entfernt ist. 


Am Stadion angekommen, suchte ich mit Hilfe eines Stewards das Ticketing auf wo ich für umgerechnet etwas mehr als 30 Franken ein Ticket für die Haupttribüne nahe des Gästesektors kaufen konnte. Gleich daneben fand ich noch einen Fanartikel-Stand der Gastmannschaft Vegalta, welche ich seit einem YouTube-Video favorisiere. Da die T-Shirtgrössen weit entfernt von meiner Grösse waren, kaufte ich einen Schal. Dieser, wie auch sämtliche anderen Fanschals die ich gesehen habe, bestand nicht wie bei uns aus Seide oder Wolle sondern aus Frottee. So ausgerüstet ging es sofort ins Stadion, da nur noch wenige Minuten bis zum Anpfiff blieben. Der ganze Sektor war mit bequemen Plasikschalen ausgestattet und es war Free-Seating. So setzte ich mich in etwa unter die Dachkante, da es bereits wieder nicht mehr regnete. Während der nächsten 90 Minuten änderte das Wetter aber mehrmals von bewölkt zu starker Regen, gefolgt von wärmenden Sonnenschein und eiskaltem Wind.


Kincho-Stadium in Osaka vor dem Spiel
Das Stadion Kincho ist eine interessante Konstruktion welche für 20‘000 Fans Platz bietet. Die Haupttribüne ist relativ gross und eher Flach gebaut mit einem Dach, das nur die obersten Sitzplätze zuverlässig vom Wetter schützt. Hinter dem Tor, stehen die Supporter der Heimmannschaft. Dieser Teil des Stadions ist äusserst klein und geschätzte 10 bis 15 Stufen breit und wird von einer hohen Wand hinten abgeschlossen. Die Gegentribüne ist auch nicht besonders gross und ungedeckt. Der Gästesektor schliesslich, befindet sich hinter dem zweiten Tor unter der sehr grossen Anzeigetafel. Dieser Bereich ist eine reiner Sitzplatz ohne Stufen oder ähnlichen, sonder nur ein leicht abfallender Schotterplatz über die ganze Länge. Direkt dahinter befindet sich interessanterweise ein Friedhof. Immerhin gibt es im Stadion keine Zäune weder zwischen noch vor den Sektoren. Hinter der Haupttribüne befindet sich ein Platz mit einigen Verpflegungsständen und anderen Geschäften. Dieser Platz ist jedoch nur ca. 30 Meter breit und anschliessend kommt gleich das Nagai-Stadium, eines der WM-Stadien von 2002 mit 50‘000 Sitzplätzen.

Spielszene


Das Spiel selber war auf sehr hohen Niveau. Richtig lanciert wurde es nach einer ca. viertelstündigen Abtastphase durch einen sehr gefährlichen Lattenknaller der Heimmannschaft. Dies rüttelte den Tabellenführer aus Sendai auf, welche von nun an das Spielgeschehen an sich rissen und mit vielen schönen und gefährlichen Aktionen im Strafraum glänzten. Cerezo musste sich in dieser Zeit mit allem wehren was Sie hatten was auch schon mal in einer gelben Karte endete. Als Vegalta schliesslich in der 34. Minute das verdiente Tor schoss, wurde es bis zur Pause jedoch wieder ruhiger auf dem Platz. Nach dem Seitenwechsel erstarkten die Gastgeber erst nach dem 2 Tor von Sendai, welches durch eine tolle Einzelaktion des Kapitän Shingo Akamine zustande kam. Man merkte ab der 51. Minute gut, dass sich nun die führenden Gäste immer mehr in die eigene Platzhälfte zurückzogen und die Zweikämpfe nicht mehr suchten. So kam es, dass nun Osaka das Spiel mehr und mehr dominierte und dringend das Tor suchte. Die Bemühungen wurden jedoch erst in der 85. Minute belohnt. Angetrieben durch diesen Erfolg und der langen Nachspielzeit von 5 Minuten wurde der Ausgleich mit allen fairen und unfairen Mitteln gesucht. Der Schiedsrichter hatte vor allem in der ersten Halbzeit einige strittige Entscheide, blieb aber in dieser Phase souverän. So endete das Spiel mit einem verdienten 1:2 und Sendai festigte so Ihren Tabellenplatz an der Spitze. Das beim Sport der Anstand nicht zu kurz kommt, sah man nach dem Abpfiff, den alle Spieler und die Schiedsrichter stellten sich in einer Reihe auf (wie vor dem Spiel) und verneigten sich vor der Haupt- und Gegentribüne, bevor die Mannschaften zu Ihren Fans hinter dem Tor liefen.

Vegalta Sendai-Fans am singen


Apropos Fans: Ich hatte sehr grosse Erwartungen aber auch Fragezeichen betreffend der Fanszene in Japan, insbesondere der Supporter aus Sendai. Dies waren leider nicht so viele wie erhofft, doch aufgrund der Distanz zwischen Sendai und Osaka waren die ca. 120 bis 150 Away-Supporter doch recht respektabel. Vor allem akustisch war ich von dieser kleinen Gruppe positiv überrascht. Ihr Liedgut beinhaltete ca. 12 verschiedene Schlachtrufe, welche meisten angenehm ausdauern und laut gesungen wurden, teilweise sehr passend zum Spielgeschehen. Fahnen waren leider nicht viele zu sehen, abgesehen von den schönen Zaunfahnen inkl. dem tollen Banner mit der Aufschrift „It’s only Football, but we like it!“. Zum Intro gab es zudem ein paar gespannte Stoffbahnen in Gelb und Blau über die Köpfe des Blocks.

Torjubel nach dem 0:2


Auf der anderen Seite gibt es auch ähnliches zu Berichten. Der Supporter-Block, welche hinten an der Wand mit „Real Osaka Ultras“ angeschrieben ist, war komplett gefüllt. Sehr viele Fahnen wurden während dem Spiel geschwungen und auch die Cerezo-Gesänge waren laut und abwechslungsreich. Vor dem Einlauf der Spieler wurde die Clubhymne abgespielt, welche insbrünstig vom ganzen Stadion mitgesungen wurde. Der interessanteste Moment in Sachen Support ereignete sich jedoch nach dem Spiel, als viele Fans bereits auf dem Weg nach draussen waren. Von Seite der Heimfans hörte man auf einmal Anfeuerungsrufe und ein Song von Sendai, auf welchen die Gästefäns mit einstimmten. Danach wechselte das Ganze, so dass die Sendai-Fans mit einem Song von Osaka antworteten. Beidemal wurde das ganze am Ende von beiden Seiten beklatscht. Auch wenn ein wenig Hass gegenüber dem Gegner zum Fussball gehört, diese Geste fand ich trotzdem sehr schön und speziell. Fast wie früher, als man nach einem Sieg im Hardturm jeweils die GC-Lieder zum Besten gab, während man im Tram Richtung Bahnhof fuhr und die Glocke im Tramwagen bimmeln lies.

Fans von Cerezo Osaka


Nach dem Spiel ging es für mich wieder Richtung Hotel, wo ich erst um 19.30 Uhr eintraf. Immerhin konnten wir nun noch unser Zimmer für eine weitere Nacht verlängern, so dass wir nun morgen den ganzen Tag Zeit haben für Besichtigungen in Kyōto, bevor es danach weiter geht nach Tokyo und zum nächsten Highlite.


Weitere Fotos von heute: 
















16. März 2012

Quo vadis Fussball?!?

Kapitalismus, was hast du nur aus unserer liebsten Freizeitbeschäftigung gemacht? Als ob man als Fussballfan heutzutage nicht schon genug Problem mit der öffentlichen Meinung hat, so werden wir momentan fast täglich mit neuen Skandalbotschaften konfrontiert die weiter über die Pyro- und Gewaltdiskussionen hinaus gehen. Und der Auslöser hier ist immer derselbe: Das Geld!

So mussten wir uns in der Winterpause vom Traditionsclub Xamax Neuenburg verabschieden, der finanziell Schwach von einem Schein-Millionär übernommen wurde und ein halbes Jahr lang totgewirtschaftet wurde. Ähnliche Ungemacht droht Servette Genf und dies bereits zum zweiten Mal innert weniger Jahre. Und dass es beim grossen Streit um den FC Sion und seinem Herrscher Christian Constatin nicht vor allem um Geld geht, wird wohl niemand bestreiten.

Drei aktuelle Beispiele, alle aus derselben kleinen Liga - das ist mehr als erschreckend und verstörend. Den auch in anderen Ländern kämpfen diverse Vereine um das überleben, der finanzielle Druck wird immer grösser. Während die grossen Vereine wie Bayern, Barcelona, Real, Chelsea, ManU, Mailand und Co. durch Ihre nationalen und internationalen Erfolge immer reicher werden, versuchen ihre Ligakonkurrenten sich mit allen Mitteln über Wasser zu halten und den geforderten Standards zu entsprechen. Beispiel Super Leauge: Während sich Basel in der Champions Leauge eine goldene Nase verdient hat (gem. 20min.ch rund 29 Millionen Franken Einnahmen) schlägt sich Lausanne Sport mit einem Budget von ca. 6 Millionen Franken durch das Jahr. Was also tun, wenn man sportlich nicht Erfolg reich sein kann, um das Geld aufzutreiben? Einzelne Investoren kommen selten gut, wie das Beispiel von Bulat Tschagajew in Neuenburg zeigt (Ausnahmen wie Roman Abramowitsch bei Chelsea sind sehr selten).

Eine Möglichkeit wurde in Österreich gefunden, genauer gesagt in Salzburg, denn hier wurde der SV Austria Salzburg vom Energydrink-Hersteller Redbull übernommen. Die Geschichte ist Fussballkennern allgemein bekannt und die europaweiten Reaktionen auch, weshalb ich hier nicht weiter darauf eingehe. Letztes Wochenende konnte ich mir erstmals ein Bild der Situation vor Ort machen. Passend zum Spielfreien Wochenende (eigentlich hätte YB gegen Xamax gespielt!) waren wir auf der Suche nach einem Spiel in der österreichischen Bundesliga (offizieller Name "tipp3-Bundesliga powered by T-Mobile"!!!), damit dieser Länderpunkt nun endlich auch erledigt ist, fanden wir schlussendlich das Spiel Redbull Salzburg gegen Rapid Wien. Ein Blick auf die Zuschauerzahlen der letzten Monate zeigte klar, dass diese wohl das aufregendste Spiel in Salzburg sein musste.



Redbull Salzburg vs. Rapid Wien

Natürlich mit Vorurteile behaftet trafen wir in der Landeshauptstadt ein und fuhren mit einem Shuttlebus zum Stadion. Von aussen fällt einem nebst dem 08/15-Retortenstadion vor allem das allgegenwärtige Firmenlogo auf. Den Besuchern wird klar gezeigt, wer hier das Sagen hat. Im Innern des Stadion wurde es noch schlimmer. In den gesperrten Oberrängen hinter den Toren prangten riesig das Redbull-Logo und ein Spielertrikot, welches wiederum mehr Vereinslogo als Kleidungsstück war. Zudem wurde die ganze Arena mit einer Lichtshow beleuchtet, dass einem die Augen schmerzten. Ausgerechnet an diesem Spiel war auch noch Ladysnight (das kennen wir in Bern doch irgendwie) weshalb vor dem Anpfiff der Hitparadenstar Michel Teló ein Mini-Konzert gab. Nicht nur, dass die Musikanlage sehr laut und qualitativ schlecht war, nein, auch sein Hit "Ai se eu te pego" wurde gleich zweimal vorgetragen. Artig wedelten dabei die zumeist jungen und/oder weiblichen Fans mit dem Sponsoren-Fähnchen (Come on, Red Bulls!) und schauten den Cheerleadern bei ihren unkoordinierten Gehüpfte zu.

Aus selbiger Lautsprecheranlage verkündete kurz darauf der Sprecher, die Stimmung in der Heimkurve sei bereits am überkochen und alle bereit für grosse Spiel, bei dem es um die Tabellenführung für beide Teams ging. Ein Blick in die erwähnte Kurve zeigte jedoch einer mässig gefüllten, muksmäuschen Stille Stehrampe ohne irgendwelche Stimmung. Sehr peinlich... den selbst der nicht schlecht gefüllte Gästeblock war eigentlich nicht laut, jedoch deutlich im ganzen Stadion zu vernehmen. Immerhin wurde im Gästesektor ziemlich häufig Pyros gezündet, was doch ein wenig richtiges Fussball-Feeling aufkommen liess. Selbst im Heimsektor war das rote Feuer Teil der (sonst eher schlechten) Stimmungsmache. Auf dem Platz wurde uns passend zur durchzogenen Stimmung auch ein eher anspruchsloser Match gezeigt - wenig gute Szenen, selten voller Einsatz und 4 Tore, von welchen nur das letzte Sehenswert war (Eigentor von Rapid in der 90. Minute). Auffallend: ab ca. der 80. Minute begannen die Wiener bereits mit dem zusammenräumen des Materials und abhängen der Zaunfahnen. Obwohl zu diesem Zeitpunkt erst 1:1 war und augenscheinlich nichts in der Kurve oder sonst wo passiert ist.

Ist dies wirklich der Fussball den wir in Zukunft sehen wollen? Spiele von Mannschaften mit vielen Stars aber ohne Charakter, in langweiligen und immer gleichaussehnden Stadien mit künstlicher Stimmung und viel Werbung und Show? Meine Antwort ist ein klares und lautes: NEIN! Fussball darf nicht zum Spielball von Investoren, Firmen und Events verkommen. Wir wollen keine VIP-Sektoren, in denen die Besucher während des Spiels nicht auf den Platz schauen sondern Geschäfte abwickeln. Wir wollen keine Fanartikel, die mehr Werbung für eine Firma als für den Verein sind. Wir wollen keine Stadionsprecher die einem ins Ohr brüllen und dabei krampfhaft versuchen die Stimmung zu lenken.
Fussball heisst Emotionen, Leidenschaft, Liebe, Freiheit... Wir wollen im Stadion stehen, unsere Mannschaft unterstützen und uns mit ihr identifizieren, dabei ein günstiges Getränk in den Händen halten und uns je nach Resultat freuen oder ärgern, usw.

Doch wie erreichen wir sowas? Nun ja, ich bin weder ein Wirtschaftsexperte noch sonst Spezialist für solche Fragen, auf Details kann ich somit keine guten Antworten geben. Aber die Stossrichtung ist für mich klar: Zum einen muss der Fussball wieder im Zentrum stehen und durch keine fussballfremde Zusätze "aufgewertet" werden. Die Zuschauer sollen nicht wegen Konzerten, Ladysnights, Cheerleader und sonstigen Events ins Stadion kommen, sondern wegen den 22 Männern und dem runden Ding auf dem Platz. Mir ist bewusst, dass dadurch die Zuschauerzahlen wieder sinken würden, doch dies würde sich auch kleinerer und rentablerer Stadien nach sich ziehen. Der heutige Gigantismus bei vielen Vereinen ist eine Hauptursache für ihre finanziellen Probleme. Würden die Vereine und deren Teppichetagen sich nicht selber versuchen ein grosses Denkmal zu setzen sonder für die Realität zu bauen (wie zuletzt ziemlich gut vom FC Thun umgesetzt) ginge es vielen besser. Auch müssten die Reglements angepasst werden, damit kleine Vereine nicht gezwungen sind neue Stadien zu bauen, wenn die alten noch längst reichen (z.B. Aarau).
Zum anderen müsste das finanzielle Ungleichgewicht zwischen den Vereinen verkleinert werden. Hier sehe ich vor allem das Potenzial bei den Spielerlöhnen und den Prämien. Spieler wie Messi sind unbestritten Weltklasse, aber ein Lohn von 33 Millionen Euro pro Jahr ist einfach unrealistisch und in keinem Verhältnis. Gute Leistung soll auch entsprechend entlohnt werden, jedoch nicht mit Summen, die jenseits von gut und böse sind. Das gleiche gilt für die Prämien in Champions Leauge und ähnlichen Wettbewerben. Selbst wenn man gnadenlos Untergeht in einem Spiel verdient der Verein mehr als andere das ganze Jahr zur Verfügung haben. Das sorgt je länger je mehr für ein Ungleichgewicht und wird den Fussball zerstören.

Nun, man könnte mir jetzt vorwerfen, ich sein ein Träumer und wolle den Kapitalismus abschaffen. Ja, eventuell möchte ich das, denn nicht nur im Fussball sondern auch im sonstigen Leben sehe ich aufgrund der heutigen Praxis immer mehr Probleme. Doch dies ist ein Thema das zu komplex ist um es überhaupt richtig aufzugreifen. Ich sage nicht ich hätte DIE Lösung... ich sage nur ich hätte eine Idee.

Am Tag danach, fand ich mich in einer anderen, besseren Welt wieder. Ein Ort, wo Fussball noch Fussball ist. Ein Ort, wo man nicht auf Plasikstühlen sitz, sondern bequeme Holzbänke vorfindet. Ein Ort wo nicht jeder Platz vom Wetter geschützt ist und noch richtige Stehplätze vorhanden sind. Ein Ort, der keine Yuppies, Tussis und ähnliches Gesocks anzieht sondern einfach wahre Fussballfans. Kurz, ein Ort, der den Namen Fussballstadion wirklich verdient: Städtisches Stadion an der Grünwalder Strasse.



Ein Spiel der Regionalliga Süd zwischen den Amateuren von Bayern München und des Freiburger SC stand auf dem Programm, wobei hier definitiv das Stadion der Star war. Für günstige 5€ erstanden wir uns ein Ticket für den Stehplatzbereich (bei den nicht anwesenden Gästen) und durften dann sogar auf die Haupttribüne. Hier erlebten wir 90 Minuten lang genau das was wir wollen! Fussball pur ohne störende Zusätze. Obwohl hier die Jungend-Mannschaften eines sehr grossen und eines eher kleinen Bundesligaverein aufeinander traffen, war hier noch das Gefühl für den Fussball vorhanden, wie das noch sein sollte, den Geld zählt hier noch überhaupt nicht zu den wichtigen Faktoren. Auch aufgrund dieses Spiels habe ich die Hoffnung auf eine bessere Zukunft noch nicht aufgegeben!

Und als kleines Dessert hier noch die Bilder aus dem Münchner Olympiapark, welchen wir vor dem Spiel in Salzburg besucht haben. Ein wunderbares Stadion, in welchem ich gerne einmal ein Spiel erlebt hätte...



5. Dezember 2011

Groundhopping in Augsburg und Winterthur

Vorletztes Wochenende war wieder einmal eine kleine Tour für den Fussball geplant. Da in der Schweiz eine Cup-Runde anstand, in welcher uns Berner der unterklassige FC Winterthur zugelost wurde und das Spiel auf Sonntag festgesetzt wurde, suchten wir im nahen Ausland nach einem Spiel, welches uns auch gleich einen neuen Ground einbringen würde. Fündig wurden wir dann in der 1. Bundesliga mit dem Aufsteiger FC Augsburg gegen die VW-Werksmannschaft aus Wolfsburg, welche wir bereits Anfang Jahr beim SC Freiburg gesehen haben. Die Frage des Übernachtung-Ortes wurde auch fast selbstständig geklärt, da ein Besuch im Hard Rock Cafe in München ebenfalls auf unserer Wunschliste stand.

Los ging es am Samstagmorgen früh um 8 Uhr. Mit vollem Tank, leerem Magen und Vorfreude auf das Weekend fuhren wir Richtung Osten. Erster Halt wurde der berühmte Fressbalken in Würenlos, wo wir kurz unser "Frühstück" einkauften. Weiter ging es um Zürich und durch die Ostschweiz bis zur Grenze in St. Margreten und dem ersten Tankstopp (man will ja nicht das teure ausländische Benzin im Tank). Um weiter Geld zu sparen, verzichteten wir auf der kurzen Strecke durch Österreich auf die Autobahn (Vignetten-Pflicht und häufig Kontrollen) und rollten durch Bregenz hindurch, wo man zum Teil komische Autoschilder zu sehen bekommt. Immerhin wissen wir nun, was das Hobby dieser Fahrerin ist...


Auch in Österreich wird Zumba getanzt
Kurz darauf brausten wir mit 180km/h über die deutsche Autobahn und sahen das erste Etappenziel näherkommen: Augsburg. Die süddeutsche Stadt ist den meisten sicher aufgrund des Puppentheaters "Augsburger Puppenkiste" ein Begriff, welche sich für die bekannten (Fernseh-)Produktionen wie "Urmel" oder "Jim Kopf" verantwortlich zeigt. Uns blieb jedoch praktisch keine Zeit für Sightseeing, da wir nach einem kurzen Mittagsmahl und einem Einkauf im Lidl, wo die wohl längste Flugreise aller Zeiten angeboten wird (siehe Bild unten), bereits weiter zum Stadion reisten. Dabei kreuzte unser weg auch das alte Stadion des FC Augsburg, das Rosenaustadion. Jedem wahren Fussballfan wird es beim Anblick solcher Stadien richtig warm ums Herz, denn hier lebt der ursprüngliche Geist vom Fussball. In Anbetracht all dieser neuen Konsum-Tempel welche als Stadien verkauft werden, wünscht man sich häufig die alten Zeiten zurück.

6-tägige Flugreise?! Hoffentlich mit Zwischenlandungen...
In genau so ein neues Stadion führte uns jedoch nun unser Weg. Die im 2009 "SGL arena" (mittlerweile bereits der dritte Stadionname nach "Augsburg Arena" und "impuls arena") steht südlich weit ab der Stadt, also sehr typisch für solche neuen Stadion-Projekte. Der grosszügige Parkplatz vor dem Stadion machte zuerst Freude...
Das Stadion selber macht von aussen nicht wirklich viel her, besser gesagt es ist hässlich und hat keinen eigenen Charakter. Teilweise erinnert es (nicht nur dem Namen nach) an die AFG Arena in St. Gallen. Positiv hat mir jedoch gefallen, dass so wie ich das gesehen habe sämtliche Heimsektoren von jedem Eingang erreichbar sind, ähnlich wie in der Allianz-Arena in München. Nachdem man den Eingang und den sehr rudimentären Sicherheitscheck passiert hat, befindet man sich in einer Art Vorplatz der um das Stadion geht und überall dann die entsprechenden Tore zu den Sektoren offen sind. Das Innern des Stadion ist um einiges interessanter als die Äussere vermuten lässt. Die bodenebenen Eingänge befinden sich ca. auf einem Drittel der Höhe der Plätze, dass heisst dass der Platz "unterirdisch" ist. Ein für mich interessantes Baumerkmal für Stadien. Das Dach der Arena ist ziemlich tief gehalten, was für eine gute Akustik sorgt (wie z.B. im Stade de Genève). Zudem ist das ganze Stadion sehr steil gebaut, was den Eindruck eines Kessels noch mehr verstärkt. Auch positiv ist der Stehplatz-Bereich im Stadion aufgefallen, denn die gesamte Nordkurve ist von den Sitzen befreit.

Panoramaansicht des Stadions vor Spielbeginn

In diesem Bereich steht auch der Kern der FCA-Fans und Supporten ihre Mannschaft. Persönlich hatte ich jedoch denn Eindruck, dass der wirklich harte Kern, also die Ultràs, ein ziemlich überschaubares Grüppen sind. Direkt über dem Eingang in der Mitte platziert sieht man sie gut durch ihre Fahnen, die einzigen welche in diesem Sektor und im ganzen Stadion geschwungen werden. Der Rest der Nordtribüne ist wohl mit Modefans und Kutten bevölkert, welche sich jedoch verhältnismässig gut für den Support motivieren lassen. Auch der Zuschaueraufmarsch war doch einigermassen passabel für den Tabellenletzten, der bis zu diesem Zeitpunkt noch keinen Heimsieg in der obersten Liga feiern durfte: In die 30'660 Plätze grosse Arena pilgerten an diesem Samstag gemäss Stadionspeaker 29.110 Fussballbegeisterte. Gleichzeitig wurde auch der millionste Besucher seit der Eröffnung. Einzig der Gästesektor war ziemlich leer, was aber wohl auch mit der Distanz von ca. 620 km zwischen Wolfsburg und Augsburg zusammenhängt. Zeitweise glaubte man mehr Zaunfahnen als Wolfsburger im Sektor zu sehen... Dafür gab es beim Warmlaufen einen WTF-Moment für uns, als in voller Lautstärke das Vereinslied des VfL Wolfsburg aus den Boxen dröhnte.  

Supportmässig erwarteten wir grundsätzlich nicht viel und behielten grösstenteils recht. Die Nordkurve wurden vor dem Spiel einige Spruchbänder gezeigt, welche sich auf die von der Stadt Augsburg beschlossenen Budgetkürzungen, welche unter anderem die Fanarbeit betreffend, kritisierten. Zum Intro gab es von Seiten FCA noch eine nette, kleine Choreo rund um die Ultràs. Danach sah und hörte man 90 Minuten von beiden Seiten nur noch Standard-Kost in ziemlich bescheidener Lautstärke.

Passend zum Support wurde auch auf dem Feld keine Glanzleistung gezeigt. Über weite Strecken dominierte zwar die Heimmannschaft das geschehen, konnte sich jedoch selten in eine gute Abschlussposition bringen und wenn doch, verschossen die Spieler den Ball kläglich. Das viel zitierte Abschlussglück fehlten den Augsburgern in der ersten Halbzeit ähnlich wie dem BSC Young Boys in den letzten 4-5 Spielen. In der zweiten Hälfte gelang es den Gastgebern jedoch nach 65 Minuten endlich das Runde in das Eckige zu befördern. Eine Erlösung für die Bayern und der KO-Schlag für die Wolfsburger. Gekrönt wurde der Erfolg zudem in der letzten Minuten durch das zweite Tor der Augsburger, welchen den Fans neben dem allerersten 1. Heimsieg auch noch 100 Liter zusätzliches Freibier für die Saisonabschlussparty bescherte. Die auffälligsten Spieler in meinen Augen waren Lorenzo Davids auf der Heimseite und Torwart Diego Benaglio beim VfL: Während der Cousin des ehemaligen Mittelfeldstars der niederländischen Nationalmannschaft Edgar Davids auf ebendieser Position ein tolles Spiel ablieferte (und den Titel Mittelfeld-Regisseur dadurch verdient hat) zeigte die Nummer 1 im Schweizer Nati-Tor wieder einmal sein hässliches Gesicht. Benaglio provozierte mit unnötigem Zeitspiel, langer Behandlungszeit nach einem Foul und sonstigem nervigen Diven-gehabe die Heimfans und auch uns Groundhopper.

Nach dem Spiel zeigte sich nun das wahre Gesicht des eigentlich sympathischen Parkplatzes vor dem Stadion... es war das reinste Chaos. Von allen Seiten her ergossen sich die Fahrzeuge auf die einzige, einspurige Ausfahrtsstrasse. Ach auf den Parkplatzbereichen selber herrschte Anarchie pur, den die eigentlichen Verbindungssträsschen wurden grosszügig ausgelegt, so dass schlussendlich bei der Ausfahrt auf die ob genannte Strasse 5 verschiedene Kolonnen auf eine Lücke warteten. Eine gute halbe Stunde sassen wir auf dem Kiesplatz fest und tasteten und Meterweise vor. Liebe Stadion-Planer, das ginge eindeutig besser zu lösen! Sei es drum, die Reise ging für uns dann noch ca. 40 Minuten weiter in die Landeshauptstadt München, wo wir im Stadtteil Heidhausen im Apartmenthaus "StayMunich" ein Zimmer inkl. Frühstück und Tiefgaragen-Parkplatz reserviert hatten. Ein grosszügiges Zimmer mit 3 Einzelbetten, Bad und Küche in einer sehr ruhigen Lage für 65€ - was will man mehr? Auch das Frühstücks-Buffet am nächsten Morgen war grosszügig und sehr lecker. Definitiv eine Empfehlung für alle die in München übernachten möchten.

Natürlich hatten wir ziemlich Hunger nach diesem langen Tag und so begaben wir uns schnellstmöglich mit Bus und Zug via Ostbahnhof in die Münchner Innenstadt und dort zum Hard Rock Cafe, welches direkt neben dem berühmten Hofbräuhaus liegt. Der obligatorische T-Shirt-Kauf wurde in der Wartezeit auf den Tisch natürlich auch vollzogen und nach dem ausgiebigen Essen war es auch schon ziemlich spät am Abend. Zurück am Ostbahnhof gingen wir noch dem Hinweis nach, dass dort in der Nähe das Ausgangsleben von München tobt. Nach längerem Suchen und umher irren fanden wir dann auch die "Kultfabrik" wo wir uns einen Schlummertrunk genehmigten.

Nach einer kurzen Nacht und einem stärkendem Frühstück ging es am nächsten Morgen früh um 9 Uhr wieder zurück Richtung Schweiz. Nach dem nochmaligen Umfahren der österreichischen Autobahn und einem weiteren Tankstopp in St. Margrethen erreichen wir die letzte Etappe der Reise: Winterthur. Gut eine Stunde vor dem Eintreffen des Extrazug aus Bern blieb genügend Zeit um die Umgebung des Stadions und den Bahnhof in Augenschein zu nehmen. Da ich mir das Gedränge am Stadioneingang ersparen wollte und nochmals zum Auto musste, wartet ich nicht auf den Fanmarsch und begab mich daher frühzeitig zum Eingang des Gästesektors. Was ich hier erlebte, hatte mit Organisation ziemlich wenig gemeinsam. Zusammen mit einzelnen anderen Fans fand ich den Eingang komplett unbewacht und offen vor. Noch während wir diese Situation zu begreifen versuchten, rannte ein hektischer Mitarbeiter in einer roten Jacke des FC Winterthur zu uns und erklärte, dass wir noch nicht rein dürfen und doch bitte warten sollen. Etwas irritiert warteten wir also vor den offenen Türen und beobachteten die Sicherheitsleute bei der letzten Besprechung, während im Hintergrund bereits die Berner Fans zu hören waren. 2-3 Minuten vor deren Eintreffen fuhr der rot-bejackte Mann schliesslich noch sein Privatauto, welches direkt im Wartebereich gestanden hat weg und die Sicherheitsleute stellten die Zäune welche wohl einen Blocksturm verhindern sollten. Da jedoch in dieser Hektik keiner mehr auf mich achtete, spazierte ich ohne Kontrolle und ohne Ticketentwertung in den grosszügigen und langgezogenen Gästesektor hinein. Auch hier war man mit dem Eintreffen der Kurve wohl etwas überrascht, da die Verpflegunsstände ca. 10 Minuten unbewacht im Sektor standen. Selbstbedienung ohne bezahlen so zu sagen.


Stadion Schützenwiese auch zur Halbzeitpause
Zum Spiel selber kann man sich eigentlich jeglichen Kommentar sparen, einzig der Matchbericht auf gaeubschwar.be kann die Wunden ein wenig lindern. Auf der Heimfahrt wurde natürlich noch fachmännisch die Mannschaft und der Staff kritisiert und aufgezeigt, was man alles besser gemacht hätte. Nach fast genau 36 Stunden und 950 Autokilometer waren wir dann endlich wieder zuhause und ich gönnte mir einige Stunden Schlafe, bevor ich am Montag wieder arbeiten ging.

3. Januar 2011

Klugscheisser mag niemand - Danke 20min.ch

"Ich gewinne eh nie etwas..." Wie oft hört man diesen Satz im Zusammenhang mit Wettbewerben und Co. Bei mir ist das irgendwie anders. Ich habe schon oft irgendetwas gewonnen. Wohl auch aus dem Grund, dass ich bei sehr vielen Wettbewerben mitmache, solange diese seriös sind. Und solch ein Wettbewerb fand auf dem Onlineportal der gratis Tageszeitung 20 Minuten kurz vor meinen Ferien in Spanien statt. Gefragt war die erste Schweizer Frau auf dem Mount Everest inkl. dem Datum. Die relativ leichte Frage (Evelyne Binsack am 23. Mai 2001) beantwortete ich per E-Mail und vergass den Wettbewerb relativ schnell wieder.

2 Tage, nachdem ich aus Spanien zurückgekehrt war, fand ich in meinem Briefkasten ein Paket mit dem Hauptgewinn: das Buch "Sammelsurium Schweiz" von Thomas Wyss. So einfach geht das. :-)

Das Buch enthält viel nützliches und noch mehr unnützliches Wissen über die Schweiz und ähnliches. Also perfekt für die Rubrik "Klugscheisser mag niemand". Ab und zu werde ich nun aus diesem Buch gewisse Informationen publizieren, welche ich als interessant oder lustig empfand. Der Anfang macht heute ein Lieblingsthema von mir: Fussballstadien.

In der Schweiz liegt das höchstgelegene Fussballstadion mit regelmässigen Spielbetrieb. Das Kunstrasenstadion "Ottmar-Hitzfeld-Arena" des FC Gspon (Bergdorfmeisterschaft) liegt auf 2'008 M.ü.M. und war im Jahr 2008 Austragungsort der Bergdorf-Europameisterschaft.


Ottmar-Hitzfeld-Arena (Quelle: www.fc-gspon.ch)
 Das höchstgelegene Fussballstadion der Welt steht übrigens in El Alto (Bolivien). Im Stadion, welches 4'082 M.ü.M liegt, finden bis zu 48'000 Zuschauer platz.